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Social Media Check 2026: Schweizer Verbände im Vergleich

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Der Jahresbericht ist gedruckt, die Mitgliederzeitschrift verschickt, der Newsletter versendet. Und trotzdem stellt an der nächsten Vorstandssitzung garantiert jemand die Frage, die alles infrage stellt: «Erreichen wir damit überhaupt noch jemanden?» Denn viele Schweizer Verbände stehen vor der gleichen Herausforderung: Sie müssen ihre Relevanz auch für jüngere Generationen und neue Zielgruppen sichtbar machen. Die Erwartungen an Kommunikation und Austausch haben sich verändert: Informationen müssen schnell verfügbar, digital zugänglich und dort präsent sein, wo die jeweiligen Zielgruppen unterwegs sind. Gleichzeitig gilt es, die Leistungen und den Nutzen des Verbands kontinuierlich zu vermitteln – und nicht nur punktuell über klassische Kanäle.

Spätestens dann wird es Zeit, über Social Media zu sprechen. Denn wer jüngere Generationen erreichen will, muss dort sichtbar sein, wo diese unterwegs sind. Die sozialen Medien können genutzt werden, um laufend zu zeigen, was der Verband bewirkt, anstatt nur einmal jährlich einen Einblick im Jahresbericht zu geben. Wie gut das den Schweizer Verbänden bereits gelingt, zeigt unser aktueller Social Media Check.

    Auf blauem Hintergrund stehen die Logos der 10 Verbände im Social Media Check.
    Prozentualer Anteil der 10 Verbände mit Präsenz auf Instagram, Facebook, LinkedIn, X, TikTok und YouTube.

    Social Media: LinkedIn für alle Verbände, TikTok für (fast) niemanden

    Schaut man sich die prozentuale Verteilung an, zeigt sich zunächst ein ausgewogenes Bild: Alle von uns untersuchten Verbände sind auf LinkedIn präsent, je 9 von 10 auf Facebook, X und YouTube, 8 von 10 auf Instagram. Eine jähe Ausnahme bildet TikTok. Dort sind lediglich der Schweizer Reiseverband und Swiss Textiles vertreten.

    Dass ausgerechnet LinkedIn die einzige Plattform mit Vollpräsenz ist, überrascht wenig: Verbände sprechen dort Fach- und Führungskräfte an, kommunizieren politisch und positionieren sich als Arbeitgebende. Das deckt sich mit dem, wofür LinkedIn entwickelt ist.

    Wichtig ist allerdings zu erwähnen: Einen Kanal zu haben und ihn aktiv zu bespielen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Eindrucksvoll lässt sich das am Beispiel von X illustrieren: Zwar verfügen 90 Prozent der untersuchten Verbände über einen X-Kanal, aktiv bespielt wird dieser jedoch kaum noch. Einzig Swiss Mem nutzt die Plattform weiterhin aktiv. Auch in anderen Branchen befindet sich die Plattform übrigens ebenfalls auf dem Rückzug: In unserem diesjährigen Social Media Check zu den Schweizer Versicherungen zählten wir noch 4 von 10, die auf der vormals als Twitter bekannten Plattform aktiv sind. Dass Verbände hier ausharren, dürfte mit dem politischen Betrieb zu tun haben, der auf X nach wie vor mitliest – wenn denn dort überhaupt noch gepostet wird.

    Bleibt TikTok mit 20 Prozent – und damit das grösste ungenutzte Feld. Nachvollziehbar ist die Zurückhaltung: Wer Vernehmlassungen kommentiert, denkt nicht zuerst an Kurzvideos. Nur trifft man genau dort jene Generation an, die in den Mitgliederstatistiken fehlt.

    Doch welche Inhalte teilen die Verbände überhaupt auf ihren Social-Media-Kanälen? Ein Blick auf die Profile zeigt: Es wird informiert, angekündigt, weitergeleitet und ab und zu auch etwas verlost. Im Fokus stehen unter anderem aktuelle Veranstaltungen wie Webinare, Seminare und weitere Events. Daneben fungieren die Kanäle gerne als Wegweiser auf die Verbandswebsite: Blogbeiträge, Interviews und andere Inhalte werden angeteasert und mit einem Klick geht es weiter zum vollständigen Beitrag. Social Media als digitale Hinweistafel also – nur mit etwas mehr Farbe und idealerweise einem «Jetzt anmelden!».

    Ebenfalls ist punktuell Employer Branding in der Verbandswelt angekommen. Ein Paradebeispiel ist der Schweizer Reise-Verband: Auf TikTok und Instagram möchte der Verband gezielt Jugendliche für eine Lehre in der Reisebranche begeistern. Statt nur über die Branche zu informieren, geht es hier also darum, die nächste Generation gleich dort abzuholen, wo sie unterwegs ist. Denn eine Lehrstelle wird nicht automatisch attraktiv, bloss weil sie im Jahresbericht auf Seite 27 abgedruckt ist.

    Darstellung der Social-Media-Plattform mit den meisten Followern je Verband.
    Auflistung der Nutzerzahlen pro Plattform auf Instagram, Facebook, LinkedIn, X, TikTok und YouTube.

    Social Media der Verbände: Wer auf welchem Kanal vorne liegt

    Welcher Verband auf Social Media die Nase vorn hat, hängt vom Kanal ab. Gleich zwei Verbände können dabei einen Doppelsieg feiern: Swissmem führt auf YouTube und LinkedIn, der Schweizer Alpen-Club auf Facebook und Instagram. Die beiden verbleibenden Spitzenplätze machen Swiss Textiles und der Schweizerische Gewerbeverband unter sich aus: Ersterer sichert sich auf TikTok die meisten Follower:innen, Letzterer liegt auf X vorne.

    Einen Social-Media-Champion über alle Plattformen hinweg gibt es damit nicht. Je nach Kanal liegt ein anderer Verband vorne und zeigt, dass Reichweite offenbar auch eine Frage der Plattform ist.

    Die Zahlen offenbaren aber auch: Auf manchen Plattformen ist für die Verbände noch deutlich Luft nach oben. Besonders augenfällig ist das bei YouTube: Die Abonnentenzahlen verschiedener Verbandskanäle bewegen sich gerade einmal im zweistelligen Bereich. Die  Plattform wird gerne unterschätzt, obwohl Videoinhalte gerade im Zeitalter von LLMOs an Bedeutung gewinnen und zusätzliche Sichtbarkeit ermöglichen können.

    Die gute Nachricht: Reichweitenlücken sind kein unabänderliches Schicksal. Mit massgeschneidertem Content und einer durchdachten Strategie lässt sich einiges aufholen.

    Ranking der 10 Verbände nach Engagement-Rate, absteigend sortiert.

    In Sachen Engagement sichert sich GastroSuisse den Spitzenplatz

    Und wie sieht es beim Engagement aus? Auf den vordersten drei Plätzen liegen GastroSuisse mit einer Engagement-Rate von 3,21 %, der Hauseigentümerverband Schweiz mit 2,85 % und der Kaufmännische Verband Schweiz mit 2,75 %.

    Doch was sorgt für Interaktion? Bei GastroSuisse fällt vor allem eines auf: Authentizität. Die Reels setzen häufig auf Interviews mit Gastronom*innen und Fachpersonen, die aus ihrem Alltag erzählen, eigene Erfahrungen teilen oder Tipps geben. Statt Hochglanz-Content gibt es also Menschen, die etwas zu sagen haben – genau das kommt an. Gerade in Zeiten, in denen das Netz zunehmend mit austauschbarem AI-Content geflutet wird, sind authentische Inhalte ein ziemlich gutes Rezept.

    Beim Hauseigentümerverband Schweiz geht es dagegen deutlich politischer zu: Viele Reels greifen Themen wie Abstimmungen auf, etwa rund um den Eigenmietwert. Das sind naturgemäss Themen mit Diskussionspotenzial. Entsprechend regen die Beiträge die Community zum Kommentieren und Teilen an. Wer einen Nerv trifft, bekommt eben nicht nur ein Like, sondern mitunter auch eine kleine Debatte gratis dazu.

    Der Kaufmännische Verband Schweiz wiederum setzt auf einen breiten Themenmix: von offenen Lehrstellen über aktuelle Veranstaltungen bis hin zu berufsrelevanten Themen. Ein Reel zur Sensibilisierung für KI und dazu, wie sich erfundene Informationen erkennen lassen, erhielt beispielsweise anerkennende Kommentare für die Relevanz des Themas.

    Die drei Verbände mit der höchsten Postingfrequenz und deren Verteilung auf Instagram, Facebook, LinkedIn, X, TikTok und YouTube.

    Social Media der Verbände: Wer am meisten postet

    Und wie aktiv sind die Verbände auf Social Media? Beim Blick auf die Posting-Frequenz liegt der Hauseigentümerverband Schweiz vorne: Insgesamt 59 Beiträge wurden in den vergangenen 30 Tagen veröffentlicht – 31 davon auf Instagram und 28 auf Facebook. Geht man von rund 20 Arbeitstagen im Monat aus, entspricht das im Schnitt knapp drei Beiträgen pro Arbeitstag. Eine durchaus rege Kadenz.

    Knapp dahinter auf Platz zwei folgt Swissmem mit insgesamt 57 Beiträgen. Davon entfallen 41 Posts auf LinkedIn, sieben auf X, sieben auf Facebook und zwei auf YouTube.

    Den dritten Platz belegt der Schweizerische Gewerbeverband mit insgesamt 53 Beiträgen. 31 davon wurden auf LinkedIn veröffentlicht, 13 auf Facebook, sieben auf Instagram und zwei auf YouTube.

    Interessant ist dabei vor allem, wie unterschiedlich die drei Verbände ihre Kanäle gewichten: Der Hauseigentümerverband Schweiz setzt vollständig auf Instagram und Facebook – auf LinkedIn herrscht unter der Beitragssektion dagegen gähnende Leere. Swissmem und der Schweizerische Gewerbeverband verfolgen eine andere Strategie: Bei beiden macht LinkedIn den mit Abstand grössten Anteil der veröffentlichten Beiträge aus.

    Klar: Ein allgemeingültiges Rezept für die richtige Posting-Strategie gibt es nicht. Welche Kanäle dafür die richtigen sind und wie sie mit passenden Inhalten bespielt werden, ist letztlich eine Frage der passenden Social-Media-Strategie.

    Ranking der 10 Verbände nach Reaktionsfreudigkeit, absteigend sortiert.

    Nur drei Verbände überzeugen mit ihrem Community Management

    Acht der von uns untersuchten Verbände sind auf Instagram vertreten. Für den vorliegenden Social-Media-Check haben wir ihnen eine Direktnachricht geschickt, um zu prüfen, wie schnell sie auf eine konkrete Anfrage reagieren. Das ernüchternde Ergebnis: Nur drei Verbände antworteten überhaupt. Der Schweizer Alpen-Club reagierte umgehend – Chapeau! –, Swico innerhalb weniger Minuten und Swiss Textiles innerhalb weniger Stunden. Bei den übrigen fünf Verbänden blieb unsere Nachricht innerhalb der ersten 24 Stunden unbeantwortet.

    Klar ist: Gutes Community Management braucht Ressourcen und sollte entsprechend eingeplant werden. Es lässt sich nicht «einfach nebenbei» erledigen. Doch der Aufwand lohnt sich: Jede Nachricht ist ein direkter Kontakt zur Zielgruppe und damit eine Gelegenheit, Nähe, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit zu vermitteln. Wer schnell und persönlich reagiert, macht aus einem Social-Media-Profil einen echten Dialogkanal. Schliesslich ist Social Media keine Einbahnstrasse. Wer die Community zum Mitreden einlädt, sollte ihr auch zuhören.

    Fazit zu Social Media im Verbandswesen: Potenzial noch nicht ausgeschöpft

    Der Blick auf die Social-Media-Aktivitäten der Verbände zeigt: Präsenz ist vorhanden, bei der Plattformwahl gibt es aber noch Luft nach oben. Gerade bei jüngeren Kanälen halten sich viele Verbände zurück: Von den zehn untersuchten Verbänden sind gerade einmal zwei auf TikTok aktiv. Dabei könnte gerade dort eine Chance liegen, jüngere Zielgruppen zu erreichen und damit verbunden auch potenzielle neue Mitglieder und Nachwuchskräfte. Gerade bei der Mitgliedergewinnung kann Social Media so vom reinen Informationskanal zum Instrument werden, um neue Generationen wie die Gen Z für den eigenen Verband und seine Themen und Anliegen zu begeistern.

    Noch gibt es also einiges zu entdecken. Mit einer passenden Social-Media-Strategie und massgeschneidertem Content lassen sich für Verbände im Marketing ungenutzte Potenziale ausschöpfen. Und vielleicht ist es ja gerade jetzt an der Zeit, den Verbands-Feed etwas weniger nach Generalversammlung und ein wenig mehr nach Generation Z aussehen zu lassen. Wie das gelingt? Wir verraten es gerne in einem unverbindlichen Erstgespräch.

    Kategorie:  Social Media
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