Social Media Check 2026: Schweizer Versicherungen im Vergleich
Ein kurzer Moment der Ablenkung reicht: Die Kaffeetasse landet auf dem Laptop, das Velo findet den parkenden Autospiegel plötzlich interessant oder die neue Drohne verliert kurz den Respekt vor Gravitation und testet unfreiwillig die Baumkrone im Nachbarsgarten. Gut, dass es für solche Fälle Versicherungen gibt: Hausrat, Haftpflicht & Co. sorgen dafür, dass aus einem Missgeschick nicht gleich ein finanzielles Dauerprojekt wird. Auch wenn die Details der Policen im Alltag gerne irgendwo zwischen «müsste ich mal anschauen» und «später» verschwinden…
Genau deshalb setzt die Branche immer stärker auf Social Media: um verständlich, nahbar und vor allem präsent zu bleiben – auch jenseits von Schadensmeldungen. Wie präsent Schweizer Versicherungen auf den sozialen Medien sind, zeigt unser aktueller Social Media Check.


Breite Kanalpräsenz – X verliert
Alle von uns untersuchten Versicherungen sind auf Instagram, Facebook, LinkedIn und YouTube vertreten. TikTok wird inzwischen von fast allen Unternehmen genutzt, mit einer Ausnahme – Swiss Re verzichtet bislang auf eine Präsenz. Damit zeigt sich, dass kurze, kreative Videoformate zwar an Bedeutung gewinnen, aber noch nicht flächendeckend in der Branche angekommen sind.
X, vormals Twitter, wird hingegen nur noch von 4 von 10 der untersuchten Versicherungen aktiv bespielt – und wirkt damit im Branchenvergleich zunehmend wie ein Risiko mit abnehmender Deckung.
Bei unserem letzten Social-Media-Check zu den Versicherungen war das noch anders: 2021 waren sämtliche der analysierten Versicherungen auf der heute als X bekannten Plattform aktiv. Im Rahmen unserer Checks stellen wir diese Entwicklung auch in anderen Branchen fest.
Seit unserer letzten Bestandesaufnahme zu den Social Media-Aktivitäten von Versicherungen hat sich einiges mehr verschoben – ein Beispiel dafür, dass in der Social-Media-Welt nichts in Stein gemeisselt ist. Gewisse Plattformen verlieren an Relevanz, während andere das Spielfeld neu aufmischen. Die aktuellsten Insights dazu gibt es übrigens in unserer aktuellen und neusten Social-Media-Studie 2026 nachzulesen.
Doch welche Inhalte teilen die Versicherungen überhaupt auf den verschiedenen Plattformen? Ein Blick auf die Profile zeigt ein breites Spektrum. In Formaten wie «Fakt oder Fake» werden beispielsweise gängige Mythen auf den Prüfstand gestellt und erklärt – wie etwa jüngst die Frage, wie genau man es in Zeiten der Fussball-WM mit der Lärmbeschränkung in der Nachbarschaft nehmen muss. Daneben finden sich praktische Tipps zur Prävention von Schadenfällen, Hinweise auf Wettbewerbe und Veranstaltungen sowie auch Einblicke in Messeauftritte.
Ebenfalls ist punktuell Employer Branding in der Welt der Versicherungen angekommen. So geben die Versicherungen Einblick in verschiedene Arbeitsmodelle wie beispielsweise Jobsharing und lassen Mitarbeitende zu Wort kommen, welche dieses nutzen. Allgemein sind Porträts von Mitarbeitenden beliebt: So setzt die Allianz etwa auf LinkedIn mit der Serie «Lebens(um)wege» auf persönliche Geschichten und zeigt, wie sich berufliche Laufbahnen im Laufe der Zeit entwickeln können. Manche Versicherungen haben es also bereits erkannt: Die sozialen Netzwerke dienen längst nicht mehr nur der Kundenkommunikation, sondern zunehmend auch der Positionierung als attraktive Arbeitgeberin.


Swiss Re und Helvetia haben auf Social Media die Nase vorn
Schon in unserem Check 2021 haben wir geschrieben: «Fast könnte man meinen, dass die Versicherungen sich abgesprochen hätten. Denn auf den ersten Blick fällt auf, dass jede Plattform von einer anderen Versicherung angeführt wird.»
Heute sieht das anders aus: Auf LinkedIn, X und YouTube gelingt es Swiss Re, die meisten Followerinnen und Follower zu vereinen. Auf Facebook und TikTok liegt Helvetia vorn. Auf Instagram behauptet die Mobiliar ihre Spitzenposition.
Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wer auf einer Plattform besonders stark positioniert ist, hat auf anderen Kanälen unter Umständen noch deutliches Aufholpotenzial. So zeigt ein Blick auf unsere Liste, dass verschiedene Instagram-Accounts die Grenze von 10’000 noch nicht geknackt haben. Bei TikTok liegen einzelne Accounts zudem noch unter der 1’000er-Grenze.
Die gute Nachricht von uns: Mit massgeschneidertem Content und einer durchdachten Strategie lassen sich bestehende Reichweitenlücken schliessen.

In Sachen Engagement sichert sich Swiss Re den Spitzenplatz
Swiss Re kann sich auch die höchste Engagement-Rate sichern. Berechnet haben wir diese, indem wir bei den letzten zehn Instagram-Reels sämtliche Likes, Kommentare, Shares und Saves zusammengezählt und ins Verhältnis zu den Impressionen gesetzt haben. Swiss Re erzielte dabei eine Engagement-Rate von 4,18 %.
Was das Erfolgsrezept ist? Eine genauere Betrachtung der Reels zeigt einen Content-Mix, der offenbar gut ankommt: Einblicke in die Generalversammlung, eine Führungskraft, die über den Umgang ihres Teams mit künstlicher Intelligenz spricht, oder Beiträge zu Freiwilligenarbeit.
Auf den Rängen 2 und 3 in Sachen Engagement folgen die Allianz mit 2,09% und die Swica mit 1,87%.
Die Allianz setzt dabei häufig auf humorvolle Videos, mit denen sich die Zielgruppe identifizieren kann. Das zeigt sich auch daran, dass diese Inhalte oft per Direct Message an andere weitergeleitet werden – ein Hinweis auf eine hohe Alltagsnähe und Teilbarkeit der Inhalte.
Die Swica wiederum setzt in ihren Reels oft auf Ausschnitte aus Talks. Für besonders viel Bewegung im Feed sorgte zuletzt jedoch ein Collab-Reel zum Grand Prix Winterthur, bei dem die Versicherung als Sponsorin des Events auftrat. Mit ihrem Hauptsitz in Winterthur lag der regionale Bezug quasi auf der Hand und kam entsprechend gut an. Das Resultat: viele Likes, viele Shares und ein Reel, das im wahrsten Sinne des Wortes «in Bewegung» blieb.

Aktivität: Swica liegt bei den Schweizer Versicherungen vorne
Und wie sieht es mit der Posting-Frequenz aus? Auch das haben wir uns genauer angeschaut: Auf dem ersten Platz liegt in dieser Hinsicht die Swica mit insgesamt 85 Beiträgen in den vergangenen 30 Tagen. Die Inhalte verteilen sich auf 29 Posts auf Facebook, 26 auf Instagram, 21 auf LinkedIn sowie 6 auf YouTube und 3 auf TikTok. Geht man von etwa 20 Arbeitstagen im Monat aus, entspricht das einer Frequenz von rund vier bis fünf Beiträgen pro Arbeitstag. Das ist eine ordentliche Kadenz!
Den zweiten Platz sichert sich die Swiss Life mit insgesamt 50 Posts. Davon entfallen 19 Beiträge auf LinkedIn, 13 auf Facebook, 9 auf TikTok, 8 auf Instagram und 1 auf YouTube.
Nur knapp auf dem dritten Rang – mit einem Post Abstand – folgt die AXA mit insgesamt 49 Beiträgen, verteilt auf 15 Posts auf Instagram, 14 auf Facebook, 11 auf LinkedIn und 9 auf TikTok.
Im direkten Vergleich fällt auf, dass TikTok und YouTube eher stiefmütterlich bespielt werden. Der Hauptfokus liegt klar auf LinkedIn, Instagram und Facebook. Diese Plattformen bleiben für die meisten Versicherungen die zentralen Kanäle für Reichweite und Interaktion.
Wer heute jedoch nur auf klassische Kanäle setzt, verschenkt enormes Potenzial: Gerade TikTok und YouTube entwickeln sich immer stärker zu zentralen Reichweiten- und Sichtbarkeitsplattformen. TikTok gewinnt weiterhin an Bedeutung, insbesondere wenn es darum geht, jüngere Zielgruppen zu erschliessen. YouTube wiederum bleibt relevant, da Suchmaschinen im Zeitalter von KI zunehmend auch Videocontent in ihre Resultate einbeziehen – Stichworte sind hier GEO und LLMO – und damit Inhalte dort länger sichtbar und auffindbar bleiben, als es auf anderen Plattformen der Fall ist.

Reaktionsfreudig? Nur die Hälfte mit starkem Community Management
Last but not least haben wir analysiert, wie schnell die untersuchten Versicherungen auf Direktanfragen über Instagram reagieren. Die Bestnoten in dieser Kategorie erzielten AXA, CSS Versicherungen und die Swica, die alle innert einer Stunde auf unsere Nachrichten reagierten. Bei der Allianz und Generali Versicherungen erhielten wir innerhalb von wenigen Stunden eine Antwort.
Von den übrigen fünf Versicherungen – Baloise, Helvetia, die Mobiliar, SwissLife und Swiss Re – blieb unsere Anfrage unbeantwortet. Das ist schade, denn gerade solche Interaktionen sind ein zentraler Bestandteil der Markenwahrnehmung. Community Management ist kein Nebenprodukt, sondern ein direkter Touchpoint zur Zielgruppe.
Gestützt auf unsere langjährige Erfahrung wissen wir: Schnelle und verlässliche Antworten erhöhen die wahrgenommene Nähe einer Marke deutlich. Wer reagiert, wird eher als präsent und zugänglich wahrgenommen. Wer nicht reagiert, verliert diesen Effekt im entscheidenden Moment.
Fazit zu Social Media in der Versicherungsbranche: Ein relevanter Hebel – aber kein Selbstläufer
Der Blick über die Social-Media-Aktivitäten der verschiedenen Versicherungen zeigt ein klares Bild: Die Branche ist präsent, aber nicht überall konsequent unterwegs.
Mal wird viel und konstant gepostet, mal punktuell – genau in dieser Mischung entsteht der entscheidende Punkt: Im Social Media Feed werden Versicherungen nicht einzeln betrachtet, sondern direkt miteinander verglichen. Und dieser Vergleich passiert nicht im Jahresbericht, sondern im Scroll-Moment.
Das bedeutet auch: Jede Interaktion zählt. Jeder Beitrag, jede Reaktion zahlt direkt auf die Wahrnehmung einer Marke ein. Und während ein Reel geliked und geteilt wird, ist die nächste Versicherung nur einen Swipe entfernt.
Die gute Nachricht: Niemand muss das Rad neu erfinden. Viele Ansätze sind bereits da. Apropos: Wie stark ist eigentlich die Social-Media-Präsenz eures Unternehmens aufgestellt? Als Fullservice-Online-Agentur unterstützen wir euch dabei, ungenutzte Potenziale mit unseren erprobten Social Media-Audits sichtbar zu machen und zielgerichteten Content für eure Kanäle zu entwickeln – von Text über Foto und Video für Social Media bis hin zu Formaten rund um Employer Branding. Klingt spannend? Wir freuen uns auf eine unverbindliche Kontaktaufnahme.