Social Media Check 2026: 10 Schweizer Verkehrsbetriebe im Vergleich
Wenn in der Schweiz auf etwas Verlass ist, dann auf den Fahrplan: Verkehrsbetriebe planen auf die Minute, stimmen Anschlüsse aufeinander ab und zeigen an der Haltestelle an, wann genau die nächste Verbindung eintrifft. Auf Social Media dagegen fährt nichts nach Fahrplan: Der Algorithmus hält sich an keinen Takt, Trends sind vorbei, bevor man sie bemerkt hat und die Kommentarspalte meldet sich am liebsten genau dann, wenn eine Störung den Feierabend verlängert. Ausgerechnet die Meister der Pünktlichkeit müssen sich also auf dem unberechenbarsten Terrain überhaupt behaupten.
Wie gut gelingt ihnen der Spagat zwischen Fahrplan und Feed? Für unseren aktuellen Social Media Check haben wir zehn Schweizer Verkehrsbetriebe unter die Lupe genommen und geschaut, wer online vorne mitfährt und wer den Anschluss verpasst. Bitte einsteigen!


Dichtes Netz mit Lücke: Auf TikTok ist nur jeder zweite Verkehrsbetrieb unterwegs
Schaut man sich die prozentuale Verteilung an, zeigt sich ein differenziertes Bild: Alle von uns untersuchten Verkehrsbetriebe sind auf Instagram, Facebook und LinkedIn vertreten. Auf YouTube haben neun von zehn Unternehmen ein Profil, auf X immerhin acht. TikTok bildet das Schlusslicht: Nur die Hälfte der untersuchten ÖV-Betriebe ist dort präsent.
Apropos Präsenz: Ein existierender Kanal und ein aktiv bespielter Kanal sind immer noch zwei verschiedene Paar Schuhe. So liegt der letzte Post von PostAuto auf YouTube bereits anderthalb Jahre zurück. Steckt dahinter eine bewusste Entscheidung im Rahmen der Content-Strategie oder fehlt schlicht die Kapazität für regelmässige Beiträge? Das lässt sich von aussen nicht beurteilen. Klar ist jedoch: Wer seine Zielgruppen auf Social Media erreichen will, muss vor allem dort präsent sein, wo sich die eigene Community bewegt, und ihr regelmässig relevante Inhalte bieten. Ein verwaistes Profil erfüllt diesen Zweck nur bedingt.
Ein Blick auf die Profile zeigt, welche Inhalte Schweizer Verkehrsbetriebe auf Social Media tatsächlich teilen. Das Spektrum reicht dabei von aktuellen Meldungen zu Bauarbeiten und deren Abschluss über besondere Angebote wie Zmorge- oder Fondue-Trams bis hin zu Präventionstipps für den Alltag: Wie schützt man sich vor Taschendieben? Und weshalb sollte man im Zug nicht auf der Treppe sitzen? Mit solchen Beiträgen beantworten die Verkehrsbetriebe konkrete Fragen und vermitteln nützliches Wissen.
Des Weiteren setzen sie auf Content Marketing, indem sie mit Reisetipps, Ausflugsideen und Einblicken in besondere Destinationen Lust auf neue Entdeckungen machen. Sie zeigen, wohin ihre Linien führen und welche Erlebnisse am Ende der Strecke oder unterwegs warten. Damit informieren und unterhalten sie ihre Community, schaffen einen Mehrwert über den eigentlichen Transport hinaus und rücken den öffentlichen Verkehr als Teil des Reise- und Freizeiterlebnisses ins Zentrum.
Was im Zuge dessen auffällt: Auf einigen Kanälen fehlen die Menschen. Die Rhätische Bahn oder TILO etwa zeigen auf Instagram vor allem Züge und Drohnenaufnahmen von Fahrten durch spektakuläre Landschaften, Personen vor der Kamera sieht man kaum. Das ist zwar schön anzuschauen, verschenkt aber Potenzial – denn auf Social Media folgen Menschen in erster Linie Menschen: Ein Gesicht schafft Nähe und macht ein Unternehmen nahbar. Gerade für Verkehrsbetriebe zahlt sich das doppelt aus. Erklärt bei einer Störung eine bekannte Person aus dem Team, was los ist, wirkt die Nachricht glaubwürdiger als jede anonyme Meldung. Und wer neues Fahrpersonal sucht, gewinnt es eher mit Mitarbeitenden, die zeigen, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, als mit der schönsten Drohnenaufnahme – ein klassischer Fall fürs Employer Branding: Brand Faces aus den eigenen Reihen geben dem Unternehmen ein Gesicht.
Apropos: Employer Branding ist bei den Schweizer Verkehrsbetrieben bereits auf Social Media angekommen, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt: Neue Mitarbeitende werden willkommen geheissen, Dienstjubiläen zelebriert und in Interviews erzählen Angestellte aus ihrem Arbeitsalltag. Porträts wie das einer Quereinsteigerin, die Busfahrerin geworden ist, zeigen zudem, welche Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten die Branche bietet.


Followerzahlen: Die SBB gibt auf allen Kanälen den Takt vor – fast
Wer fährt auf welchem sozialen Netzwerk ganz vorne mit? Während bei unserem Social-Media-Check zu den Detailhändlern die Farbe Orange dominierte, sehen wir bei den Schweizer Verkehrsbetrieben Rot – und das aus folgendem Grund: Die SBB fährt auf fast allen Kanälen an der Konkurrenz vorbei und sichert sich die Spitzenposition bei den Followerzahlen. Einzig auf Facebook muss sie sich geschlagen geben: Hier hat die Rhätische Bahn die Nase vorn – mit mehr als 60’000 Follower:innen Vorsprung auf die SBB.
Ganz überraschend ist das Gesamtbild aber nicht: Schliesslich ist die SBB schweizweit unterwegs und spricht ein Publikum in allen Sprachregionen an. Die restlichen von uns untersuchten Verkehrsbetriebe sind im Gegensatz dazu regional tätig und bedienen ein klar abgegrenztes Gebiet.

Engagement im ÖV: Diese Verkehrsbetriebe holen ihre Community ab
Ein Blick auf das Engagement zeigt: Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) liegen mit einer Engagement-Rate von 3,37 % an der Spitze. Dahinter folgen Aargau Verkehr mit 3,14 % und PostAuto mit 3,02 %.
Was den Erfolg der BVB ausmacht? Besonders gut kommen die Reels an, die den Baufortschritt am Basler Marktplatz mit Drohnenaufnahmen dokumentieren. Die Videos machen sichtbar, wie sich die Baustelle entwickelt, und erzielen besonders viele Likes und Shares. Das dürfte auch daran liegen, dass der Marktplatz ein zentraler und stark frequentierter Verkehrsknotenpunkt in der Basler Innenstadt ist. Die Bauarbeiten betreffen damit einen Ort, den viele Menschen aus ihrem Alltag kennen und dessen Entwicklung sie unmittelbar interessiert. Statt abstrakter Informationen liefern die BVB konkrete Einblicke in eine Veränderung, die direkt vor Ort stattfindet.
Aargau Verkehr belegt mit einer Engagement-Rate von 3,14 % den zweiten Platz und setzt auf den Dialog mit der Community: In einer eigenen Serie fühlt Praktikantin Sofia der Direktion auf den Zahn. Dabei stellt sie den Mitarbeitenden Fragen, die zuvor bei der Followerschaft eingeholt wurden. Das Format greift also Themen auf, die das Publikum selbst interessieren, und gibt den Verantwortlichen ein Gesicht. Die Resonanz fällt positiv aus: Die Beiträge werden vielfach geliked und geteilt. Das Beispiel zeigt, wie sich die Community aktiv in die Inhalte einbeziehen lässt und wie aus ihren Fragen Formate entstehen, die zum Mitmachen anregen.
PostAuto landet mit einer Engagement-Rate von 3,02 % auf dem dritten Platz und überzeugt mit einem abwechslungsreichen Content-Mix. Neben aktuellen News, etwa zur Ausnahmebewilligung des ASTRA für AmiGo – das Pilotprojekt mit selbstfahrenden On-Demand-Fahrzeugen in der Ostschweiz –, setzt das Unternehmen auf überraschende Fakten und kuriose Einblicke. So erfahren die Follower:innen beispielsweise, dass sämtliche Postautos zusammengenommen täglich zehnmal um die Erde fahren – oder dass es tatsächlich eine Bohne namens «Gelbes Posthörnli» gibt. Die Mischung aus Neuigkeiten, Wissenswertem und überraschenden Fakten scheint anzukommen: Die Community belohnt die Beiträge mit Likes. Das Beispiel zeigt, dass auch Inhalte abseits des klassischen Fahrplan- und Betriebsalltags Interesse wecken und die Interaktion fördern können.

Mehr Posts als Haltestellen: Diese Verkehrsbetriebe sind besonders aktiv
Und wie aktiv sind die Verkehrsbetriebe auf Social Media? Bei der Posting-Frequenz liegen die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) klar vorne: Insgesamt 153 Beiträge wurden im untersuchten Zeitraum veröffentlicht. Davon entfielen 18 auf Instagram, ebenso viele auf Facebook. Wenn zwei Kanäle exakt gleich viele Beiträge aufweisen, lohnt sich ein genauerer Blick – und siehe da: Die BVB betreiben hier Crossposting. Das bedeutet, dass dieselben Inhalte auf mehreren Plattformen veröffentlicht werden, teilweise identisch oder nur leicht angepasst. Auf LinkedIn kamen weitere 11 Beiträge hinzu, auf YouTube waren es deren 4.
Den mit Abstand grössten Anteil machen jedoch die über 100 Posts auf X aus. Der Grund dafür liegt in der Funktion des Kanals: Umleitungen, Störungen und weitere betriebliche Änderungen werden als Newsmeldungen veröffentlicht. So wird X nicht nur als Social-Media-Kanal, sondern auch als laufenden Informationskanal für Fahrgäste genutzt – was die hohe Zahl an Beiträgen erklärt.
Heruntergebrochen auf rund 20 Arbeitstage ergeben die 153 Beiträge der BVB knapp 8 Posts pro Tag. Da Inhalte teils plattformübergreifend ausgespielt werden und auf X auch laufende Betriebsmeldungen erscheinen, zeigt die Zahl aber eher, wie aktiv die Kanäle bespielt werden – nicht, wie viele eigenständige Inhalte das Team täglich produziert.
Auf Platz zwei folgt Aargau Verkehr mit 93 Beiträgen. Auch hier dient X als Update-Kanal für Umleitungen und Betriebsinfos – entsprechend entfallen mehr als die Hälfte der Posts (51) darauf. Der Rest verteilt sich auf LinkedIn (17), Facebook (15), Instagram (9) und YouTube (1).
Die SBB auf Platz drei setzt dagegen nicht auf X, sondern auf Instagram (35 Beiträge) und TikTok (26). Facebook (10), YouTube (7) und LinkedIn (3) spielen eine Nebenrolle.
Spannend ist damit weniger die reine Anzahl der Beiträge als vielmehr die unterschiedliche Nutzung der Plattformen: Während die BVB und Aargau Verkehr X intensiv für betriebliche Updates nutzen und damit auf eine besonders hohe Posting-Frequenz kommen, setzt die SBB stärker auf visuelle und kurzformatige Inhalte auf Instagram und TikTok. Eine hohe Zahl an Posts ist also nicht automatisch Ausdruck intensiver Social-Media-Kommunikation, sondern kann ebenso einem praktischen Informationsauftrag folgen. Und sie führt auch nicht zwingend zu mehr Engagement: Die zahlreichen Updates auf X stossen nämlich kaum auf Reaktionen.

Freie Fahrt für Fragen? So schnell antworten die Verkehrsbetriebe
Eine Direktnachricht ist schnell verschickt. Doch wie lange dauert es, bis bei den Schweizer Verkehrsbetrieben eine Antwort eintrudelt? Für unseren Social-Media-Check haben wir alle zehn ÖV-Betriebe auf Instagram kontaktiert und die Reaktionszeiten verglichen.
Den schnellsten Anschluss erwischten die Südostbahn und die SBB: Beide antworteten innert Minuten. Auch PostAuto und die VBZ waren flott unterwegs – hier traf die Rückmeldung innert einer Stunde ein. Bernmobil, Aargau Verkehr und die Rhätische Bahn liessen sich etwas mehr Zeit, meldeten sich aber immerhin innert eines Tages zurück.
Ganz ohne Anschluss blieben wir hingegen bei den Basler Verkehrs-Betrieben, TILO und TPG. Von diesen drei Unternehmen kam auf unsere Nachricht keine Antwort. Ob die Anfrage im digitalen Nirgendwo gestrandet ist oder schlicht niemand am anderen Ende sass, bleibt offen.
Dabei ist Instagram längst nicht nur Schaufenster für schöne Zugstrecken, Busbilder und Einblicke hinter die Kulissen. Wer dort präsent ist, muss auch mit Fragen aus der Community rechnen. Gerade im öffentlichen Verkehr, wo es oft schnell gehen muss, kann eine zeitnahe Antwort den Unterschied machen. Natürlich ist nicht jede Direktnachricht ein Notfall. Wer Instagram als Kommunikationskanal nutzt, kann jedoch mit zeitnahen Rückmeldungen signalisieren, dass die Anliegen der Community ernst genommen werden.
Fazit: Der Fahrplan steht – die Social-Media-Strategie auch?
Unser Social Media Check zeigt: Die Schweizer Verkehrsbetriebe haben auf Social Media längst Fahrt aufgenommen. Doch wie im öffentlichen Verkehr führen auch hier unterschiedliche Wege ans Ziel. Während die SBB bei den Followerzahlen auf fast allen Plattformen vorne mitfährt, überzeugen die BVB und Aargau Verkehr mit hohen Engagement-Raten.
Denn man muss dabei stets im Hinterkopf behalten: Gute Social-Media-Kommunikation besteht nicht allein darin, regelmässig Inhalte zu veröffentlichen. Entscheidend ist, ob diese für die Zielgruppe relevant sind, zur Interaktion anregen und ob jemand antwortet, wenn aus der Community eine Frage kommt. Denn während einige Verkehrsbetriebe ihre Follower:innen aktiv einbeziehen, warten andere auf Instagram offenbar noch auf den nächsten Anschluss.
Die gute Nachricht: Es braucht nicht immer eine komplett neue Content-Strategie, um mehr aus den eigenen Kanälen herauszuholen. Manchmal reichen schon Formate, die Menschen hinter dem Betrieb sichtbar machen, ein stärkerer Fokus auf die Interessen der Community oder ein verlässliches Community Management.
Und falls die eigene Social-Media-Kommunikation noch nicht ganz im Takt ist: Wir helfen gerne dabei, die richtige Verbindung zwischen Strategie, Content und Community zu finden. Bei einem unverbindlichen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wie eure Kanäle (wieder) Fahrt aufnehmen können.