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Die Geschichte von UX-Design: von Feng Shui bis Don Norman

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UX-Design ist zweifellos ein Begriff der unmittelbaren Moderne. Bei seiner Nennung werden Gedanken schnell in Richtung App-Entwicklung, Smartphones oder Webseiten-Navigation geschickt. Doch im Gegensatz zu den klar zeitgenössischen Assoziationen des Begriffs, macht dessen Ursprungsgeschichte grosszügige Schritte zurück in die Vergangenheit. Der Ausflug dorthin führt an verschiedenen Stationen vorbei, die auch aus heutiger Sicht interessante Aspekte in Bezug auf UX-Design hervorheben können. Es lohnt sich also, diesen geschichtlichen Werdegang zu untersuchen, um die zeitgenössische Idee von UX-Design besser zu verstehen und erfolgreich weiter in die Zukunft projizieren zu können.

Die erste Station dieses kleinen Ausflugs führt uns zurück in das alte China um die Jahre 3000 vor Christus. In diesen Jahren entstanden die Grundlagen für das «I Ging», das älteste Buch der Welt. Es enthält die wesentlichen Elemente einer Lehre, die später das Feng Shui beeinflussten. Bei der Methodenlehre des Feng Shui geht es darum, die Wirkung der verschiedenen Elemente aufeinander so positiv zu beeinflussen, dass die als «Chi» bezeichnete Energie so frei wie möglich fliessen kann. Die Umgebung wurde demnach nach menschlichen Bedürfnissen harmonisiert, wie wir auch aus dem heutigen UX Design-Gedanken her kennen.

Vom Fluss der Energie zum Fluss der Arbeit

Etwas später kam der Begriff der Ergonomie auf – ein Vorbote des späteren UX-Verständnisses. Die Ergonomie ist die Wissenschaft der Gesetzmässigkeit menschlicher Arbeit. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen Begriffen ergon (arbeit/werk) und nomos (Naturgesetz/Regel) zusammen. Obwohl die Ergonomie selbst auch eher modern ist, weist eine Studie aus dem Jahre 1999 darauf hin, dass deren Prinzipien bereits vor 2500 Jahren in der griechischen Antike ihren Ursprung hatten. Es gibt Hinweise darauf, dass die antiken Griechen ihren Lebens- und Arbeitsraum nach ergonomischen Gedanken einrichteten. Der «Vater der Medizin», Hippocrates, verfasste beispielsweise eine detaillierte Anweisung, wie ein Operationstisch für einen Chirurgen auszusehen hatte – zentral dabei war die möglichst dienliche Anordnung des Raums und der Instrumente für den Chirurgen, so dass dieser seine Arbeit reibungslos ausführen konnte.

UX Design in der Amerikanischen Industrialisierung

Nach einem weiteren, grosszügigen Sprung vorwärts auf der Zeitachse, sind wir am Anfang der Blütezeit der Fabrik-Fliessbänder angekommen. Es war Frederick Winslow Taylor, der sich tiefgreifende Überlegungen zur Effizienzsteigerung von Arbeitern und ihren Werkzeugen machte. Der Maschinenbauingenieur verfasste 1911 «The Principles of Scientific Management» und schuf den Taylorismus – ein Prinzip, das die Effizienzsteigerung der Menschen gewissen Kritikern nach sogar ein wenig zur Spitze trieb. Trotzdem können seine Überlegungen zur Verbesserung der Mensch- und Werkzeugbeziehung als erste Studien zu User Experience gesehen werden.

In den 1940er Jahren entdeckte Toyota, dass aktiver Input von Menschen wertvoll und produktiv sein kann. Die Firma legte grossen Wert darauf, das Arbeitsumfeld optimal zu gestalten. Die Fliessbandarbeiter konnten beispielsweise das Band anhalten, um solche Inputs zu geben. Laufendes Feedback wurde also zur Verbesserung von Prozessen genutzt – genau wie es bei modernen Usability Tests gemacht wird.

Im Jahr 1955 schrieb der Amerikanische Industriedesigner Henry Dreyfuss das klassische Buch «Designing for People». Darin stellt er seine Philosophie über Produktdesign vor. Seine Werke (wie das Tischtelefon) und seine Ideen haben das Aussehen und die Anwendung zahlreicher Konsumgüter für Generationen geprägt. UX Designer bedienen sich auch heute noch an seinen bahnbrechenden Erkenntnissen zum Kontakt zwischen Mensch und Produkt.

Kalifornien als Wiege des modernen UX Design

Eine wichtige, nachfolgende Station in der modernen UX Design-Geschichte ist das PARC-Forschungszentrum von Xerox in den 1970er Jahren. Dieses weltbekannte Zentrum im Kalifornischen Palo Alto ist verantwortlich für das Aussehen und die Gebrauchsart verschiedener zentraler Büroinstrumente von heute. Wie zum Beispiel dem Laptop, der grafischen Benutzeroberfläche, dem Laserdrucker sowie der Maus.

Die namensgebende letzte Station dieser Reise führt uns ins sonnige Kalifornien der 1990er Jahre. Damals wurde der UX-Design-Gedanke bereits in vollen Zügen praktiziert – es war jedoch der Kognitionspsychologe und Designer Don Norman, der den Begriff schlussendlich geprägt hat. Der Wissenschaftler war seit Anfang der 90er Jahre bei Apple als User Experience Architect angestellt. Norman schuf den Begriff «UX Design», um die Aspekte rund um Grafik, Industriedesign, Schnittstelle, physische Interaktion und das Manuelle hervorzuheben. Sein im Jahre 1988 publiziertes Buch «The Psychology of Everyday Things» wurde zum Bestseller und brachte das Thema der Nutzerfreundlichkeit unter die Massen.

Technologie im Dienst menschlicher Bedürfnisse

Don Normans Stimme gilt als eine der wichtigsten im Feld von Design und Gebrauchstauglichkeit. Dabei ist Norman ein überzeugter Vertreter der Einstellung, dass man Technologie den menschlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen anpassen sollte und nicht umgekehrt.

Mehr als 20 Jahre sind seit der Schöpfung des Begriffs «UX Design» vergangen. Dies war zweifellos eine ereignisreiche Zeit für die Gebiete, die den Begriff tangieren – man denke dabei an Entwicklungen wie das iPhone, Virtual Reality oder sogar Voice Assistants.

Die Überlegung, wie Menschen mit den Objekten ihrer Umwelt interagieren, hat die Weltgeschichte durch verschiedene Jahrhunderte begleitet. Im 21. Jahrhundert sind vor allem Smartphones und Computer zu den zentralen Interaktionsobjekten geworden (besonders auch in Corona-Zeiten). Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass die Geschichte des UX Design auch grosse Schritte in die Zukunft machen wird.

Kategorie:  User Experience (UX)

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