Influencer-Marketing: «Es geht nicht um die grösste Reichweite, sondern um den perfekten Match»
Für viele Unternehmen ist Influencer-Marketing ein fester Bestandteil des Marketing-Mix, andere sind noch auf der Suche nach dem richtigen Match. Was zeichnet eine erfolgreiche Kooperation mit einer Influencerin aus? Warum sind nicht immer die Influencer mit den meisten Followern die beste Wahl? Wie findet man den passenden Content Creator? Darüber haben wir mit Eva Fröwis-On gesprochen. Eva arbeitet seit über acht Jahren im Influencer-Marketing, recherchiert passende Creators für Kampagnen und bringt Marken und Influencer zusammen. Im Interview spricht sie über die Bedeutung von Influencer-Kooperationen, worauf es dabei ankommt und was sie ausmacht.
Eva, du bist seit vielen Jahren im Influencer-Marketing tätig. Wie bist du eigentlich dazu gekommen?
Eva: Ich war schon immer nah an der Social-Media-Welt dran. Über die Jahre habe ich mit Bloggern, Fotografen, Influencern und auch Schweizer Persönlichkeiten zusammengearbeitet. Was mich besonders fasziniert, ist die Recherche: Wer passt wirklich zu einer Marke? Wer hat Potenzial? Wer erreicht die richtige Community? Diese Detektivarbeit macht mir bis heute Spass.
Kannst du uns ein Beispiel aus deiner Arbeit bei xeit nennen?
Eva: Sehr gerne. Für HiPP durften wir eine neue Produktpalette für Babynahrung in der Schweiz bekannt machen. Dafür haben wir gezielt Mikro-Influencerinnen aus der Mama-Community gesucht. Die ausgewählten Creatorinnen haben Produktpakete erhalten, die Produkte getestet und ihre Erfahrungen mit ihrer Community geteilt. Dann haben sie authentische Videos und Beiträge erstellt, die auf ihren Kanälen veröffentlicht. Sie haben in ihren Beiträgen ebenfalls auf den HiPP BabyClub aufmerksam gemacht.
Wir haben so ein neues Produkt glaubwürdig vorgestellt. Die Empfehlungen kamen von Müttern für Mütter. Das macht Influencer Marketing so wertvoll: man kann mit Menschen, die gerade in einer ähnlichen Situation sind, connecten.
Gibt es noch andere spannende Projekte?
Eva: Ja, ganz viele. Eines ist mit MediaMarkt Schweiz an dem Event «Fantasy Basel». Wir waren da an einem Gaming-Stand mit MediaMarkt Schweiz vor Ort. Wir von xeit haben vor dem Event einen passenden Influencer gesucht, der dann vor Ort Live-Streams macht und Content produziert, den er dann auf Social Media für MediaMarkt postet.
Die Herausforderung: Der Creator sollte Schweizerdeutsch sprechen, Gaming-Kompetenz mitbringen und authentisch zur Zielgruppe passen. Wir haben viele Möglichkeiten durchgespielt. Am Ende haben wir genau den richtigen Creator gefunden. Er war vor Ort, hat Livestreams gemacht und Content produziert.
Worauf kommt es bei der Arbeit mit Influencern besonders an?
Eva: Man sollte immer auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Influencer und Marken brauchen einander. Deshalb sind Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt wichtig. Gleichzeitig muss man als Vermittlerin neutral bleiben und die Interessen beider Seiten verstehen. Man ist irgendwo zwischen Kunde und Creator und versucht, für alle die beste Lösung zu finden.
Und natürlich muss man ständig am Ball bleiben. Die Social-Media-Welt verändert sich unglaublich schnell. Wer gute Influencer finden möchte, muss Trends kennen, Plattformen verstehen und immer neugierig bleiben.
Wohin entwickelt sich Influencer Marketing?
Eva: Influencer Marketing wird relevant bleiben. Was wir aktuell beobachten: Viele Marken planen ihre Budgets bereits zu Jahresbeginn und buchen Creator langfristiger ein.
Auch künstliche Intelligenz wird immer wichtiger. Wir nutzen KI beispielsweise für erste Konzeptideen oder kreative Inspiration. Aber: Die Chemie zwischen Menschen muss stimmen. Eine KI kann unterstützen, aber echte Beziehungen nicht ersetzen. Deshalb wird authentischer Content immer wichtiger. Je mehr Inhalte mit KI entstehen, desto mehr schätzen Menschen echte Geschichten und echte Personen.
Viele Unternehmen setzen immer noch auf grosse Namen. Ist das sinnvoll?
Eva: Nicht unbedingt. Mikro-Influencer werden oft unterschätzt. Dabei haben sie häufig eine sehr engagierte Community und teilweise höhere Interaktionsraten, weil sie mit ihrer Community enger vernetzt sind. Deshalb schauen wir immer zuerst darauf, wer zur Marke passt und was das Ziel ist. Nicht darauf, wer die meisten Follower hat.
Was würdest du Unternehmen empfehlen, die mit Influencer Marketing starten möchten?
Eva: Sucht die passenden Menschen für eure Marke, oder lasst sie uns gemeinsam finden! Das ist der erste Schritt. Dann: Gebt Influencern kreative Freiheit. Denkt langfristig. Die stärksten Ergebnisse entstehen meist durch Partnerschaften, die über längere Zeit wachsen. Und unterschätzt Mikro-Influencer nicht!
Und was rätst du Menschen, die selbst Creator werden möchten?
Eva: Bleibt authentisch. Macht euer Ding und versucht nicht, jemand anderes zu sein. Pflegt eure Community und bleibt mit euren Leuten im Austausch. Probiert verschiedene Formate aus und schaut, was funktioniert.
Fazit: Authentizität schlägt Reichweite im Influencer-Marketing
Influencer Marketing funktioniert dann am besten, wenn Menschen Geschichten erzählen. Es geht nicht um möglichst viele Follower oder kurzfristige Erfolge, sondern um Glaubwürdigkeit, Vertrauen und langfristige Beziehungen. Gerade in einer Zeit, in der KI-generierte Inhalte immer häufiger werden, gewinnen authentische Stimmen weiter an Bedeutung. Menschen lassen sich von Menschen inspirieren. Darin liegt der grosse Vorteil von Influencer Marketing. Oder wie Eva es zusammenfasst:
«Am Ende geht es darum, die richtigen Menschen zusammenzubringen.»