Social Media Check 2024: Schweizer Lebensmittelläden
Nach Feierabend noch schnell einkaufen? Oft bestimmen nicht nur unsere Bedürfnisse, sondern auch die verlockenden Angebote und Sonderpreise an jeder Ecke, wo und was wir kaufen.
Was tun Schweizer Lebensmittelläden, um sich in den sozialen Medien von der Konkurrenz abzuheben? In unserem Social Media Check analysieren wir, wie diese Unternehmen ihre Online-Präsenz gestalten und uns überzeugen.
Hier die wichtigsten Erkenntnisse:
Übersicht

Vom Discounter bis zum Bio-Markt: Wir haben Aldi, Alnatura & Co. unter die Lupe genommen und untersucht, welche Social-Media-Plattformen die Marken in der Schweiz bespielen und wie aktiv sie sich mit dem Community Management beschäftigen.

Hohe Präsenz
Die Detailhändler setzen nicht nur auf eine Plattform, sondern auf mehrere Kanäle gleichzeitig. So wird YouTube von allen Händlern genutzt und meist regelmässig bespielt (mehr dazu weiter unten). Hier sehen wir den klaren Trend, dass tendenziell Werbespots und Videostorys im Stil von «Der Blick hinter die Kulissen» auf YouTube hochgeladen werden.
Instagram und TikTok erfreuen sich vor allem bei der jüngeren Generation grosser Beliebtheit, was zu einem lockereren Content-Stil führt. Trotzdem werden auf Instagram auch Aktionen und wichtige Hinweise veröffentlicht. Alle Unternehmen sind ebenfalls auf LinkedIn aktiv, um ihr B2B-Netzwerk zu pflegen und Employer Branding zu betreiben.
Im Gegensatz dazu entpuppt sich X als der grosse Verlierer: Diese Plattform wird nur noch von rund einem Drittel der Nutzer verwendet und dient fast ausschliesslich als Informationsquelle wie zum Beispiel Rückrufaktionen.

Die grossen Player dominieren
Wenn wir uns die Nutzerzahlen genauer anschauen, sehen wir, dass Migros und Coop das Feld dominieren. Diese Grosshändler erfreuen sich beide einer enormen Fangemeinschaft, welche meist schon im Kindesalter beginnt. Nicht umsonst gibt es also die Frage «Bist du ein Migros oder ein Coop Kind?». Ebenfalls bemerkenswert ist der Detailhändler Lidl, welcher den dritten Platz belegt und auf einigen Plattformen, wie Facebook, sogar die zweitgrösste Follower-Community vorweisen kann.

Welches Unternehmen ist wo aktiv?
Alnatura, Denner, Lidl, Spar und Volg sind nicht auf allen Plattformen vertreten und befinden sich damit in guter Gesellschaft: Denn die Hälfte aller Unternehmen in unserem Social Media Check bevorzugt es, nicht auf allen Kanälen präsent zu sein. Besonders schlecht schneidet X ab, da nur 3 von 8 Unternehmen dort vertreten sind.
Aldi, Coop und Migros hingegen bespielen, informieren und unterhalten ihre Community auf möglichst allen Kanälen. Bemerkenswert ist auch, dass alle Unternehmen TikTok und die damit verbundenen neuen Zielgruppen aktiv nutzen und ansprechen.

Neben den Nutzerzahlen spielen auch andere Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Bewirtschaftung eines Social-Media-Kanals. Dazu gehören der Content, die Frequenz und das Community Management, um die gewonnenen Follower langfristig zu binden.
Im Juli war Lidl Schweiz in Sachen Frequenz der Spitzenreiter. Mit über 150 Posts, teilweise mehrmals täglich, bespielten sie Instagram und Facebook gleichermassen, was nicht auf eine Plattform-differenzierte Strategie schliessen lässt.
Überraschend holte sich Spar die Silbermedaille, besonders durch ihre Aktivität auf Facebook. Das Podium mit der Bronzemedaille komplettierte Migros mit knapp über 70 Beiträgen. Im Vergleich zu ihren Konkurrenten ist Migros das aktivste Unternehmen auf X und informiert dort über vielfältige Themen. Die Rangliste vollenden die Läden Alnatura und Volg mit jeweils 31 und Denner mit 26 Beiträgen.
Diese Übersicht verdeutlicht einmal mehr, dass die Anzahl der Follower nicht direkt mit der Häufigkeit der Posts und der Bespielung der Kanäle gleichzusetzen ist.

Engagement-Rate, Fussball und Gewinnspiele
Die Frequenz allein spiegelt nicht die Auswirkung auf die Followerschaft wider. Viel wichtiger ist die Engagement-Rate und das damit verbundene Feedback der Community. Dies bietet Unternehmen die Möglichkeit, frühzeitig auf Anregungen und mögliche Probleme einzugehen. Wertvolle Verbesserungen am Produkt oder Auftritt können so direkt von den Endkonsumenten kommen.
Besonders eindrucksvoll ist hier Volg. Trotz einer kleineren Followerzahl erzielt das Unternehmen eine hohe Engagement-Rate, was auf eine engere Bindung hindeutet. Volg wird als Dorfladen wahrgenommen und stärkt so den regionalen Bezug.
Im Juli war die Fussball-EM besonders präsent und wurde von fast allen Unternehmen aufgegriffen. Diese Beiträge fanden positive Resonanz in den Kommentaren, was zeigt, dass auch Trends und aktuelle Themen bei der Community gut ankommen und es nicht nur um die blosse Vermarktung von Produkten oder Dienstleistungen gehen muss.
Gewinnspiele trugen ebenfalls zu hohen Interaktionsraten bei. Fast alle Unternehmen organisierten im Juli ein Gewinnspiel und konnten so zusätzliches Engagement erzielen.
Fazit
Die Lebensmittelläden in der Schweiz sind auf fast allen Social-Media-Plattformen aktiv und erreichen zunehmend mehr Menschen. Dennoch gibt es noch ungenutzte Chancen. Beispielsweise könnte TikTok, das bereits von allen verwendet wird, stärker bespielt werden. Eine weitere Möglichkeit wäre, aktiver auf Kommentare im Community Management einzugehen, was bislang nur von wenigen Läden wirklich initiativ betrieben wird.
Die Detailhändler, die diese Chancen ergreifen, können ihre Online-Präsenz weiter stärken und möglicherweise mehr Kunden binden. Und: Wer weiss, vielleicht heisst es in Zukunft: «Bist du ein Lidl- oder Spar-Kind?»