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Q&A mit xeit: Student Stefan Gajic befragt Andrea Iltgen zum Potenzial von TikTok

ein Kommentar

Die Expertinnen und Experten von xeit stehen Studierenden und Lernenden immer wieder gerne für die Beantwortung ihrer Fragen rund um Social-Media- und Online-Marketing zur Verfügung. Stefan Gajic, Student an der Hochschule Luzern (HSLU) hat Geschäftsführerin Andrea Iltgen zur Aufsteiger-App TikTok befragt. 

Wie gross ist das Potenzial von TikTok als Marketinginstrument Ihrer Meinung nach?

Im Moment ist es gerade riesig, aber wie wir es auch oft bei Social-Media sehen, gibt es gewisse Wellenbewegungen von gewissen Tools. Es kommt etwas und dann geht es wieder. Dann gibt es einige wenige Plattformen, welche schon sehr lange am Markt sind. Bei TikTok hatten wir schon länger vermutet, dass es sehr erfolgreich werden könnte. Auch schon der Vorgänger von TikTok, «Musical.ly», hatte grosses Potenzial, und es ist dann auch tatsächlich grösser geworden und ich kann mir gut vorstellen, dass TikTok etwas ist, das noch länger bleiben wird. Wir sehen eine gewisse Veränderung bei der Zielgruppe, denn auch die Älteren gehen zunehmend zu TikTok. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass TikTok nicht mehr monothematisch ist, sprich nicht mehr nur die Lip Sync Videos beinhaltet. Es hat seinen Inhalt stark erweitert und somit ist auch die Zielgruppe breiter geworden. Dementsprechend hat TikTok auch ein sehr grosses Marketing-Potenzial.

Was sind die Stärken und Schwächen von TikTok im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken?

Das Spannende an TikTok ist, wie der Algorithmus funktioniert. Hier ist ein zentraler Unterschied zu anderen bekannten Social Networks. Er ist so programmiert, dass den Usern immer wieder Content angezeigt wird, den einen interessiert und das ohne dass man den entsprechenden Personen bzw. Profilen folgen muss, wie dies etwa bei Instagram der Fall ist. Das hat Suchtpotenzial. Die anderen Plattformen beruhen darauf – zumindest der «Homescreen» (Hauptseite) von Instagram oder Facebook –, dass man Inhalte von Personen oder Unternehmen sieht, deren Profilmen man folgt. Auf TikTok ist der Homescreen ein anderer: es sind Inhalte die die App dem User vorschlägt – unabhängig davon, ob der User den Absendern folgt oder nicht.

Natürlich kann man auf Instagram auf die Seite «Entdecken» gehen, um neue Inhalte von anderen Personen zu sehen, aber bei TikTok ist die Hauptseite gleich die «Entdecken-»Seite, wo der ganze Inhalt neu ist. Somit wird man mit jedem Öffnen der App mit neuen, unbekannten Inhalten und Profilen konfrontiert. Diese werden vom TikTok-Algorithmus vorgeschlagen, der einen anhand der eigenen Nutzung ziemlich gut kennenlernt. Dies ist auch für die Creators spannend, weil sie so  an Reichweite bei Personen kommen, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben. So kommt es auch nicht darauf an, wie ihre Beiträge bis anhin performten, man kann mit jedem Video einen Hit landen. Bei den anderen Plattformen muss man zuerst eine Reichweite aufbauen, um die Leute dann auch zu erreichen.

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit TikTok?

Um TikTok besser zu verstehen, muss ich TikTok natürlich auch selbst nutzen. Ich benutze TikTok also genauso wie andere Personen und ich finde, dass TikTok echt süchtig macht. Man kann super verweilen und ist dann schnell mal für 30 Minuten oder länger auf TikTok, obwohl man nur zwei, drei Videos schauen wollte … Es ist bereits sehr gut erforscht, welche Auswirkungen dies auf die Hirnfunktion hat: Man wird von lustigen Sachen belohnt und möchte entsprechend immer mehr von diesen Belohnungen erhalten. Es ist im Prinzip dieselbe Wirkung im Gehirn wie beim Essen, Trinken oder beim Drogenkonsum. Bevor man die App schliesst, möchte man ein gutes Video sehen. Denn mit einem schlechten, bzw. einem, das einen nicht gefällt möchte man nicht aufhören. Und so schaut man so lange weiter, bis man etwas gefunden hat, das wirklich passt. Ich denke, da unterscheide ich mich bei der Nutzung nicht gross von anderen Personen. Das Problem aber ist sicherlich, dass die Nutzung von TikTok keinen wirklichen Benefit hat, man denkt sich ja eher nicht <Herrlich, ich habe wieder zwei Stunden auf TikTok verbracht, das ist wunderbar!> Es ist sehr ähnlich wie z.B. bei Fast Food. Nach der Nutzung ärgert man sich möglicherweise, so wie man sich ärgert, wenn man trotz bester Vorsätze einen Burger und Pommes gegessen hat …😉

Können Sie einen typischen TikTok-Nutzer beschreiben?

Nein, ich glaube nicht, dass es einen typischen TikTok-Nutzer gibt. In unserer Social-Media-Studie, die wir jährlich durchführen, befragen wir jeweils über 1000 deutschsprechende Personen aus der Schweiz im Alter von 13 bis 80 Jahren. Seit 2020 ist auch TikTok bei der Umfrage dabei, da hat sich gezeigt, dass nur die ganz Jungen auf TikTok unterwegs sind. Die Resultate der Umfrage präsentieren wir jeweils im Mai, ein Jahr später, also 2021, hat sich bereits gezeigt, dass das Spektrum der TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer sehr viel breiter geworden ist. Ich denke, dass die Resultate der Social-Media-Studie 2022 zeigen werden, dass nun auch sehr viel mehr ältere Personen auf TikTok aktiv sind. Man kann tendenziell sagen, dass es hauptsächlich die 13- bis 30-Jährigen sind, die TikTok aktiv nutzen, also nicht mehr nur die 13- bis 17-Jährigen. 

Welchen Unternehmen würden Sie empfehlen, auf TikTok aktiv zu werden? 

Ich würde nie einem Unternehmen einfach empfehlen, einen Account auf irgendeiner Social-Media-Plattform zu erstellen. Wir gehen umgekehrt vor und fragen zuerst, was die Ziele und die Zielgruppen sind, um dann spezifisch zu beurteilen, welche Kanäle für die entsprechenden Zielgruppen relevant sind. Es geht also um die Frage: Wo ist die Zielgruppe unterwegs und wie und wo kann ich die Marketing-Ziele erreichen? Dabei liegt auch ein wichtiger Fokus auf dem Content, also welchen Content brauche ich, um die Zielgruppe glücklich zu machen? 

Ich mache ein Beispiel: Ein Spital in der Schweiz sucht interessierte Personen im Alter von 15 bis 20 Jahren, welche eine Lehre in einem Pflegeberuf absolvieren möchten. Bei dieser Zielgruppe will man als Spital als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden – Stichwort Employer Branding. Dafür könnte TikTok ein sehr guter Kanal sein. Man kann Behind-the-Scene-Videos zeigen und so das Spital  porträtieren. 

Ich würde aber, wie erwähnt, nie einfach von der Plattform aus gehen, um zu sehen, wie etwas passt, sondern genau umgekehrt: Zuerst kommen die Ziele und die Zielgruppe.

Ich forsche für das HSLU-Unternehmen «Smart-up», welches Studierende, Absolventinnen und Absolventen und Mitarbeitende der HSLU unterstützt, ihre Ideen umzusetzen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Was könnten Sie Smart-up empfehlen, wenn sie einen TikTok Account erstellen? 

Es gibt zwei Ansätze. Der erste ist, dass man einfach mal lernen möchte, wie eine Plattform – in diesem Fall TikTok – funktioniert und was alles möglich ist. In diesem Fall würde ich möglichst früh einsteigen und möglichst alles ausprobieren, um ein Gespür zu entwickeln. Es kommt natürlich auch darauf an, wie langfristig die Nutzung des Kanals ausgelegt ist. Wenn es immer wechselnde Personen sind, die den Kanal betreiben und das Wissen dann nur eine Halbwertszeit von einem halben Jahr hat, weil die Person nachher wieder geht, dann muss man nicht sehr früh anfangen. Sinnvollerweise fragt man auch die Mitarbeitenden und die Zielgruppe vo Smart-up, ob sie bereits aktiv sind. Weil wenn man einen TikTok-Account erstellt, auf der App selbst aber gar niemand aktiv ist, ist das eher kontraproduktiv.

Ich komme nochmals auf das Spital-Beispiel zurück: Wenn man Lernende ansprechen möchte, die im Spital eine Lehre machen sollen und dann LinkedIn Ads schaltet, dann wird man mit grosser Wahrscheinlichkeit niemanden finden. Umgekehrt ist es dasselbe. Wenn man zwar sehr innovativ ist und neue Kanäle nutzt, von der anvisierten Zielgruppe aber niemand da ist, den oder die man erreich kann, dann bringt das relativ wenig.

Zweitens muss man sich fragen, ob man die Bewirtschaftung eines TikTok-Accounts personaltechnisch bewältigen kann. Haben wir Personen, welche bereit sind, vor der Kamera zu stehen? Das ist für TikTok absolut zentral. Es gibt sehr wenige Möglichkeiten, womit man relevanten Video-Content erstellen kann, ohne dass eine Person gezeigt wird. Also braucht man diese «Darsteller». Dann muss man auch eine gewisse Posting-Frequenz haben, um die Relevanz beizubehalten. Man braucht also Leute, welche Lust und vor allem auch Zeit haben. Es muss alles zusammenpassen, um dann zu sagen, “Ja, das machen wir!”

Wenn sich ein Unternehmen dazu entschliesst, einen TikTok Account zu erstellen und die wichtigen Fragen geklärt hat, was sind Ihre Empfehlungen für die ersten Schritte?

Bevor ich einen TikTok Account erstelle, würde ich den Leuten, welche diesen Kanal dann bewirtschaften, empfehlen, TikTok selbst aktiv zu nutzen, um zu sehen, was für Inhalte es gibt und was alles so funktioniert oder eben nicht. 

Und dann würde ich empfehlen, bevor man den Account erstellt, was übrigens Maximum fünf Minuten dauert, sich wirklich Gedanken darüber zu machen, was die Inhalte sein sollen. Es empfiehlt sich, im Voraus ein Storyboard zu erstellen, und zwar für mindesten einen, besser zwei Monate. So sieht man relativ schnell, ob man genug Ideen und Inhalte hat und kann auch Videos vorproduzieren oder, wo nötig, üben.

Wie oft sollten Unternehmen ihrer Meinung nach Content posten? Gibt es ein Minimum und Maximum?

Ich glaube, ein Maximum gibt es fast gar nicht. Ich würde sagen, unter zwei Posts pro Woche lohnt es sich nicht. Wenn es mal nur einer ist, dann ist es halt so, aber ich würde wirklich versuchen, nicht darunter zu gehen, denn sonst könnte der TikTok-Algorithmus die Inhalte und das Profil bald als irrelevant einstufen.

Welche Arten von Content sollte produziert werden? (Informativ, unterhaltsam, etc.)

Man sagt immer, dass man möglichst passend zum Kanal posten soll, also was die Sprache und den Inhalt angeht, und gleichzeitig muss es authentisch sein.  Ein User merkt sehr schnell, wenn sich jemand in einem Video verstellt und man zum Beispiel versucht, möglichst jugendlich rüberzukommen. Das wird schnell sehr peinlich. Authentizität hat immer Vorrang. 

Wie breit dürfen die Unternehmen ihren Content gestalten? Alle Arten von Themen oder spezifische Themen? (Blick hinter die Kulissen, Entstehung des Videos, etc.)

Auch hier würde ich versuchen, es von der anderen Seite aus anzugehen und mich fragen: Wer ist meine Zielgruppe? und mich dann möglichst in meine Zielgruppe hineinzuversetzen. Wir arbeiten gerne mit Personas, womit wir uns die Zielgruppe mit allem vorstellen können, also Alter, Geschlecht, Interessen, etc. Dann fragen wir uns: Was möchte diese Person? Du weisst selbst, dass auf es auf TikTok sehr schnell zu und her geht, und wenn ein Video kommt, das nicht relevant ist, wird es direkt übersprungen. Das Video bekommt dadurch keine Sichtbarkeit. Damit ich für den idealen User relevant bleibe, muss ich mir für jeden Inhalt, den ich plane, überlegen: Ist das relevant? Wenn ja, dann ist es egal, wie weit der Inhalt vom Kern entfernt ist oder wie breit das Spektrum des Contents ist. Wenn ich den Content sehe und nur ich ihn witzig finde, dann ist es sehr wahrscheinlich weniger relevant. 

Sollten die Unternehmen den produzierten Content genau auf TikTok anpassen oder können alte Beiträge von anderen Social-Media-Kanälen wiederverwendet werden?

Von mir aus kann man sehr gerne cross posten, ich würde aber immer beachten, dass es einen Kanal gibt, welcher mir am wichtigsten ist. Wenn ich sage, ich mache TikTok und möchte dort gut sein, dann produziert man im besten Fall auch Content, der auf TikTok ausgerichtet ist. Es ist halt schon ein grosser Unterschied zu Instagram, es gibt anderen Sound, es gibt andere Effekte, Inhalte, Themen, die funktionieren. Man kann schon eine Art Recycling von Inhalten machen, indem man sagt, TikTok ist mein Hauptkanal und ich poste den Inhalt zusätzlich noch auf Instagram, um einfach noch mehr Reichweite zu generieren. Dann sollte man aber für Instagram keine zu grossen Erwartungen haben. Aber bei dem Kanal, bei dem meine Erwartungen und mein Fokus sind, dort muss ich Gas geben. Jeder Kanal funktioniert ein wenig anders, dessen muss man sich bewusst sein, wenn man den Content produziert. Man muss den Kanal verstehen.

TikTok ist schnell und wenn man etwas schnell machen muss, dann muss man mehr überlegen, sodass man die wichtigen Sachen und den Kern der Aussage in wenigen Sätzen oder kurzen Sequenzen auf den Punkt bring. Früher hat man zum Beispiel auf Twitter den Kern einer Aussage in den wenigen Zeichen, die man hatte, rübergebracht, das ist bei TikTok sehr ähnlich. Einer macht einen grossen Zeitungsartikel, der andere bringt die gleiche Aussage in einem 15-Sekunden Video unter – dann müssen auch die besten und wichtigsten Aussagen in diesen 15 Sekunden sein. 

Wer vom Unternehmen sollte die Verantwortung für die Benutzung des TikTok Accounts übernehmen? Das Marketing-Team, junge Mitarbeitende und Lernende, alle?

Das ist schwierig zu beantworten. Am besten wäre eine Person, welche sich mit TikTok auskennt, aber und auch mit dem Zeitgeist. Wenn man jungen Leuten oder Lernenden die Verantwortung gibt, muss man das im Vorfeld genau absprechen und alle involvieren, sei es das Marketing-Departement oder die gesamte Abteilung. Für ein grosses Unternehmen ist dies eine Challenge, denn es gibt viele Hierarchiestufen, welche den Content jeweils abnehmen. Auf TikTok ist dies schwierig, weil es – wie mehrfach erwähnt ­– sehr schnell ist und man keine Zeit hat, alles genau zu kontrollieren und anzupassen. Auch ist es ein Problem, dass die meisten Videos mit dem Handy aufgenommen und direkt hochgeladen werden und nicht mit dem Computer nachbearbeitet werden und das File dann vom Chef kontrolliert werden kann. Ich würde sagen, im besten Fall ist es so, dass die Person, welche den Content produziert, wirklich ganz genau weiss, was sie machen darf und was nicht und dass vorher noch Absprachen gemacht werden. Eventuell sollte man diese Person begleiten, vielleicht sogar jemand von der Geschäftsleitung – je nachdem, wie das Unternehmen organisiert ist. Wenn man nicht genauso schnell ist wie TikTok, kann man da nicht mitmachen. Wenn man z.B. an einer Challenge teilnehmen will, dann muss das sofort geschehen. Man kann nicht drei Wochen warten. Bis dahin hat man fünf weitere Challenges verpasst.

Wie sollten die Videos auf TikTok aufgenommen werden? Reicht das Smartphone oder sollte es ein Videoequipment sein?

Wenn wir ein Video machen, nutzen wir besseres Equipment höchsten dafür, wenn wir Ads schalten, da hier viel mehr Media dahintersteckt. Den normalen Content macht man direkt mit dem Handy. Dies nur schon deswegen, um die verschiedenen Filter und die ganzen Möglichkeiten, welche auf der App direkt drauf sind, vollumfänglich nutzen zu können. Man nimmt das Video auf, bearbeitet es und lädt es direkt hoch. Man muss quasi mit dem Handy produzieren. 

Wie sollte man die verschiedenen Effekte auf TikTok am besten benutzen? Viele oder wenige Effekte? Ist die Benutzung von den Effekten von der Branche abhängig?

Ich glaube nicht, dass man das so pauschal sagen kann. Ich denke, man muss das ein wenig austesten und schauen, was gut ankommt und was nicht. 

Soundeffekte sind auf TikTok etwas sehr Wichtiges. Wie können Unternehmen diese am besten verwenden? Sollten sie Soundeffekte nutzen, die im Trend sind? Wie findet man die passendsten Soundeffekte und worauf soll bei der Auswahl geachtet werden?

Das ist ein Problem. Weil wenn man ein Unternehmen ist, muss man einen Unternehmensaccount erstellen und dann sind diese ganzen Trend-Sounds nicht mehr verfügbar. Die Sounds sind lizenziert und mit einem Unternehmensaccount kann man diese nicht mehr nutzen. Wenn man das alles seriös machen will und entsprechend mit einem Unternehmensaccount aktiv wird, dann unterliegt man anderen Gesetzgebungen und man darf nur die dafür lizensierten Sounds verwenden. Das ist leider so und dessen muss man sich bewusst sein. Ein kleines Start-up kann zu Beginn vielleicht so tun, als sei es eine Privatperson, man muss sich aber des Risikos bewusst sein, dass der Account abgestellt werden kann und man evtl. in eine rechtliche Sache verstrickt wird. Für grosse, bekannte Unternehmen liegt das also auf keinen Fall drin. Deshalb empfehle ich, von Beginn weg oder dann relativ bald einen Business-Account zu erstellen. Dann hat man auch umfangreiche Insights und Daten. Aber eben, die Sounds sind dann weg. Man kann schon gewisse Sounds lizenzieren jedoch leider nicht die Sounds, welche im Trend sind. 

Was hat es mit den verschiedenen Challenges auf TikTok auf sich? Wie können Unternehmen diese für sich einsetzen?

Ja ich finde Unternehmen können Challenges durchaus zu ihrem Vorteil nutzen. Man muss aber analysieren, ob es wirklich passt und ob man daraus etwas machen kann. Die meisten Challenges muss man nicht 1:1 adaptieren, man kann immer einen kleinen Twist einbauen und diese eventuell auf das Unternehmen oder ein Produkt, welches angeboten wird, anpassen. Challenges kann man so sehr gut nutzen und der Community auch zeigen, dass man als Unternehmen TikTok nicht nur für die Steigerung der Reichweite nutzt, sondern, dass man die App tatsächlich versteht, selbst aktiv mitmacht und man nicht immer nur die ernste, topseriöse Schiene fährt. Das macht ein Unternehmen sympathischer, es wird gezeigt, dass man die Tools und die Plattform an sich versteht. 

Wie sieht das mit Lip-Sync-Videos aus? Kann man diese zum Vorteil verwenden oder sind diese schon nicht mehr im Trend?

Wenn es gerade passt und man gute Ideen hat, kann man diese immer verwenden. Von mir aus gesehen ist der, welcher für den Content verantwortlich ist, auch der, welcher aktiv auf TikTok ist und auch Vorschläge zum Content bringt. Ich habe ja vorhin gesagt, ich würde immer zuerst versuchen, ein Storyboard zu erstellen und mir überlegen: Was sind die Inhalte, welche wir verwenden möchten? Die Personen, die das Storyboard erstellen, sollen ebenfalls diese sein, die TikTok und seine Möglichkeiten kennen und auch selber nutzen. Wenn diese eine Idee haben, wie sie ein Lip-Sync-Video gewinnbringend einsetzen können, warum nicht? Dass ich keine Lip-Sync-Videos mehr sehe, liegt also wahrscheinlich an mir [lacht].

Bringen Duetts oder Livestreams den Unternehmen etwas und wie können Unternehmen diese verschiedenen Tools gezielt einsetzen?

Livestreams finde ich ist eine der höchsten Künste, und das gilt nicht nur für TikTok, sondern für alle Kanäle. Auf allen Plattformen, wo man Live gehen kann, ist es gut, denn da zeigt man sich sehr nahe und authentisch. Es gibt dann keine Situation mehr, in der man sich nahbarer oder auch verletzlicher zeigt als im Livestream. Im Livestream gibt es kein Fangnetz. Man erhält Fragen und kann diese dann direkt ehrlich und authentisch beantworten. Man kann nicht betrügen. Wenn das klappt, ist es sehr schön, wenn ein Unternehmen das regelmässig nutzt.

Ich nehme jetzt noch einmal ein Beispiel von der Rekrutierung. Wenn man sich authentisch und nahbar den potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern zeigen und ihnen Einblicke geben möchte, dies aber wegen Corona schwierig oder unmöglich ist, ist es eine sehr coole Möglichkeit, diese Personen mittels Livestream ins Unternehmen mitzunehmen. Dann können die Personen auch direkt Fragen stellen und alle nötigen Informationen einholen. Live sieht man dann auch, wie es wirklich ist, da kann man nichts vorbereiten. Ich glaube, wenn ein Unternehmen bereit ist und nichts zu verbergen hat – was eh eine Voraussetzung ist, wenn man auf Social-Media unterwegs sein will –, dann sollen sie ruhig Live gehen. Wenn ein Unternehmen jedoch viele Geheimnisse hat, dann könnte es schwierig werden [lacht]. Wenn man etwas Gutes im Sinn hat, gute Produkte herstellt und gute Dienstleistungen anbietet und, wie gesagt, nichts zu verbergen hat, dann steht dem Livestream nichts im Weg. Er ist ein gutes Instrument und die Inhalte kann man nochmal nutzen, aufnehmen und auch wieder posten. Das ist auch vorteilhaft in Sachen Interaktionen.

Bei den Duetten ist es ähnlich, man reagiert auf ein bestehendes Video und sorgt so für eine Interaktion. Das finde ich das schön, wenn ein Unternehmen zeigen kann, dass es nicht nur mit grosser Vorbereitung etwas postet und es sich sehr wahrscheinlich nur um Werbung handelt, sondern direkt eine Interaktion mit dem User oder mit dem Kunden eingeht. 

Hashtags spielen auf TikTok ebenfalls eine grosse Rolle. Wie können Unternehmen diese gezielt einsetzen? 

Unternehmen sowie auch Privatpersonen verfolgen sinnvollerweise ihre Hashtag-Strategie und nutzen diese, um gefunden zu werden. Man überlegt sich zuerst, mit welchen Hashtags man gefunden werden will und gibt diese dann im Vorfeld ein, um zu sehen, was bei diesen Hashtags für Resultate angezeigt werden. Man kann dann entscheiden, ob man in diesem Umfeld gefunden werden möchte oder lieber nicht, weil es zum Beispiel inhaltlich in die falsche Richtung geht. Oder vielleicht ist der angezeigte Inhalt generell komisch, dann muss man aufpassen und den Hashtag verwerfen. Dies geschieht häufig mit englischen Wörtern, die wir ganz anders verwenden, da muss man vielleicht etwas ausprobieren.

Wichtig ist ausserdem, dass man nicht zu viele Hashtags benutzt, sondern wirklich nur die, welche für das Thema relevant sind wo bei der gleichen Hashtag Suche Videos kommen, welche ich als sinnvoll betrachte. Und wenn jetzt eine Kampagne stattfindet, nehme ich eventuell noch den Kampagnen-Hashtag oder man definiert für sein Unternehmen eigene Hashtags in der Hoffnung, dass andere diese Hashtags auch sinnvoll nutzen. Aber eben: Hashtags werden auch genutzt, um etwas zu finden.

Demnach ist die Recherche von Hashtags, welche man benutzen will, doch auch eine wichtige Sache, welche nicht unterschätzt werden sollte?

Ja, ich würde die Hashtags, welche ich benutzen möchte, vorher zuerst suchen und überprüfen, was man dazu findet. Ich meine, wenn man ein Storyboard gestaltet oder einen Redaktionsplan erstellt und man sich überlegt, was mein Content ist, würde ich auch gleich meine Hashtags definieren. Also ganz dem Zufall würde ich es nicht überlassen [lacht].

Wir hatten vorher schon über die Business Accounts gesprochen. Wenn man einen TikTok Business Accounts hat, kann man die verschiedenen Sounds nicht mehr verwenden. Dafür kann man Ads schalten. Was sind die Vorteile dieser? Und was sind weitere Nachteile eines Business-Profils?

Ads muss man irgendwann schalten, wenn man mehr Reichweite generieren möchte, das ist auch bei den andere Social-Media-Plattformen so. TikTok hat zu Beginn angefangen, alles gratis anzubieten, dass alles hochgeladen werden und viral gehen kann. Das fanden die Leute gut und sind auf diesen Zug aufgesprungen. TikTok will die gewonnen Reichweite nun aber auch nutzen und man muss nun, egal ob über lang oder kurz, Geld bezahlen, um bei TikTok mitspielen zu können. Dies macht man mit den Ads. Im Moment sind diese auch noch recht günstig, daher ist TikTok für Unternehmen auch eine recht interessante Werbeplattform. Es ist ein grosser Vorteil, dass man mit einem Business Account Ads schalten kann. Es ist für mich keine Diskussion, was die Vor- und Nachteile eines Business Account sind. Es ist einfach so, dass man als Unternehmen einen Unternehmensaccount braucht. Sonst widerspricht man den Richtlinien und wenn man sich nicht an diese hält, muss man mit den Konsequenzen rechnen. Im schlimmsten Fall wird der Account gesperrt.

Wie kann man den Erfolg als Unternehmen auf TikTok messen? Die Follower stehen ja nicht so sehr im Vordergrund wie es bei Instagram zum Beispiel der Fall ist.

Das ist korrekt, ja. Die Likes und die Views sind der grosse Massstab auf TikTok. Auch die Rate zwischen den Likes und Views würde ich als Kennzahl nehmen. Aber auch an den Followern kann man sehen, ob die Videos gut performen. Wenn die Videos gut sind, werden tendenziell mehr Personen einem Kanal folgen. 

Sind Kooperationen mit TikTok Creators und Influencern für Unternehmen von Vorteil und sinnvoll?

Es kommt drauf an. Pauschal kann man das nicht sagen, aber es ist sicher häufig von Vorteil. Wenn der Creator zum Unternehmen passt – das ist die wichtigste Voraussetzung für eine Kooperation – dann kann man schon etwas mit einem Creator machen und von seiner Reichweite profitieren. Entweder man bewirbt die eigenen Posts oder man hat einen Creator, welcher die Videos auf seinem eigenen Kanal postet, dann profitiert man auch von seiner Reichweite. Der Creator kann das Unternehmen dann auch zurück verlinken. Einerseits ist es die Reichweite eines Creators, andererseits ist es seine Bubble, welcher Personen beinhaltet, die man sonst nicht so leicht erreicht. Das ist eigentlich Empfehlungs-Marketing: Wenn der Creator das Produkt oder die Dienstleistung des Unternehmens gut und spannend findet, dann wird das viel authentischer rüberkommen, als wenn ich jetzt einfach nur von mir selbst erzähle, wie gut ich als Unternehmen bin [lacht]. Fakt ist, ein Creator hat seine Reichweite selbst aufgebaut, weil er sehr wahrscheinlich guten Content generiert und er genau weiss, wie er mit den verschiedenen Instrumenten umgehen muss. Wenn ich als Unternehmen diesen Creator nutze, habe ich sehr wahrscheinlich ebenfalls guten Content, wenn er das für mich als Unternehmen macht. 

Ist es zu empfehlen, gezielt auf diese Creators zuzugehen oder sollte man schauen, ob sich eine Zusammenarbeit einfach so ergibt?

Einfach so ergeben wird sich das nicht, es muss schon eine Strategie dahinterstecken und man muss das schon irgendwie angehen. Für viele Unternehmen macht das auch tatsächlich Sinn. Im Marketing ist es immer gut, längerfristige Kooperationen einzugehen. Wenn man gut mit den Personen umgehen kann und die Creators das Produkt/die Dienstleistung super finden, ist das doch eine grossartige Sache. Der Creator hat vielleicht eine Art oder einen besonderen Humor, welchen man nicht einfach kopieren kann. Früher hat es in der Werbung auch Testimonials gegeben, das ist hier sehr ähnlich, nur auf einem anderen Kanal. Dazu nimmt man jemanden, der auf dem entsprechenden Kanal schon zuhause ist und weiss, wie alles geht. Ich finde, da spricht nicht sehr viel dagegen.

 

Kategorie:  InterviewSocial MediaTikTok

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