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Ist deine Website barrierefrei? 7 Fragen an unseren Experten für digitale Barrierefreiheit

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Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass alle Menschen Websites und digitale Angebote ohne Barrieren nutzen können. In der Praxis sieht es jedoch oft anders aus: Entweder gibt es für Bilder keine Textalternativen oder Texte und Icons haben unzureichende Kontraste. Barrierefreiheit im Web betrifft uns alle. Für Unternehmen wird sie immer wichtiger. Doch wann genau ist eine Website barrierefrei? Was sollten Unternehmen dabei beachten? Unser Experte für digitale Barrierefreiheit, Oliver Hunziker, beantwortet sieben Fragen zu diesem Thema und gibt praktische Tipps für Unternehmen. 

Was bedeutet Barrierefreiheit im Web und für wen ist sie wichtig?

Oliver: Aus meiner Sicht gibt es dazu drei wichtige Punkte. 

Der erste Punkt ist vermutlich am naheliegendsten: Für Personen mit Einschränkungen (z.B. Sehbehinderung) ist eine Website nur dann vollumfänglich zugänglich, wenn Informationen als Text verfügbar sind und sich die Website per Tastatur navigieren lässt. Beides ist elementar.

Zweitens kann Barrierefreiheit für alle wichtig sein. Dazu hat Microsoft eine gute Erklärung veröffentlicht in ihrem «101 Inclusive Design Guidebook». Ein Beispiel für das Sehen könnte so aussehen:

  • Eine blinde Person ist permanent auf die Barrierefreiheit (z.B. Textalternativen) angewiesen
  • Eine Person mit z.B. Grauem Star ist temporär auf die Barrierefreiheit (z.B. grosse oder mit Zoom skalierbare Schrift) angewiesen
  • Eine Person, welche eine Website auf einem Smartphone im Sonnenlicht lesen will, ist situativ auf die Barrierefreiheit (z.B. grosse Schrift oder genügend Kontrast) angewiesen

Barrierefreiheit ist für uns alle wichtig. Denn auch temporäre oder situative Einschränkungen (blendendes Licht, Lärm, Stress, ein gebrochener Arm oder ein Kind auf dem Arm) können die Nutzung einer Website erschweren. Wir von Digitalagentur xeit haben es wie folgt zusammengefasst:

Grafik mit Titel "Barrierfreiheit ist für..." darunter drei Spalten mit je einer Anzahl Personen. 1. Spalte: 10% unverzichtbar. 2. Spalte: mind. 30% notwendig. 3. Spalte: 100% hilfreich. Die Anzahl an blau markierteren Personen entspricht jeweils der Anzahl Prozent.

Die dritte Antwort umfasst die gesamte Technik und unser Geschäft. Eine barrierefreie Website lädt oft schneller. Durch den einfacheren Zugang erreicht sie mehr Conversions und kann mehr Personen abholen. Zudem ist es für Search Engine Optimization (SEO) und Generative Engine Optimization (GEO) wichtig: Je einfacher und konformer der Code der Website aufgebaut ist, desto einfacher ist das Crawling für Bots. Das kann die Indexierung und das Verständnis von Suchmaschinen und KI unterstützen.

Seit Sommer 2025 gilt ausserdem der European Accessibility Act (EAA), dem viele Websites entsprechen müssen. Man kann sich das wie eine Art DSGVO für Barrierefreiheit vorstellen.

Woran erkennt man, ob eine Website barrierefrei ist?

Oliver: Mit etwas Übung gibt es vieles, was man sofort sieht. Beispielsweise erkennt man schnell kleine Schriften oder fehlende Kontraste (z.B. graue Schrift auf weissem Hintergrund). Anderes kann mit Tools wie «WAVE» oder «axe DevTools» als Browser-Plugin automatisiert getestet werden. Dabei beziehen sich die Tools jeweils auf den internationalen Standard (WCAG). Aspekte wie die Bedienbarkeit mit der Tastatur sind jedoch schwieriger zu testen und benötigen einen Experten-Audit und/oder User Testings.

Ob eine Website barrierefrei ist, lässt sich somit an sehr vielen Punkten erkennen. Es ist «einfach», Punkte zu finden, an denen die Barrierefreiheit noch nicht vollständig umgesetzt ist. Es ist jedoch nicht möglich, zu beweisen, dass alles für alle zugänglich ist.

Was sind die häufigsten Barrieren, denen Nutzer:innen auf Websites begegnen?

Oliver: Das hängt davon ab, welche Nutzer:innen wir betrachten. Unnötige Barrieren, die wir sehr oft sehen, sind zum Beispiel folgende:

  • Fehlende Alt-Texte für Bilder
  • Unzureichende Kontraste für Texte und Icons
  • Links oder Buttons ohne wahrnehmbare Texte oder mit schlechten Beschreibungen
  • Überschriftenebenen nicht korrekt eingesetzt
  • Nicht funktionierende Bedienung der Navigation für Tastaturbenutzer (z.B. Screenreader)

Einige davon wären mit etwas Sorgfalt beim Abfüllen vom Content einfach zu beheben. Andere wurden in der Entwicklung der Website zu wenig beachtet.

Welche Massnahmen können Unternehmen denn mehr oder weniger leicht umsetzen, um ihre Website barrierefreier zu machen?

Oliver: Zunächst ist es wichtig, bei allen, die mit dem Content arbeiten, ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. Sowohl Texter als auch Designer sollten bei der Erstellung von Assets auf Barrierefreiheit achten. Danach muss die Person, die den Inhalt einpflegt und veröffentlicht, auf Alt-Texte und den korrekten semantischen Einsatz von Titeln achten. Das ist wichtig für laufende Prozesse.

Eine oftmals komplexere Geschichte ist die Website als System selbst. Je nach Umsetzung ist diese barrierefrei, oder eben nicht. Daher empfehle ich, zunächst einen Quickcheck durchzuführen. Danach kann entschieden werden, ob die bestehende Website den Ansprüchen genügt und ob bei einzelnen Punkten nachgebessert werden kann. Oder ob die Website so aufgebaut ist, dass ein Relaunch zwingend erforderlich ist. Das wäre das Worst-Case-Szenario, bei dem oft auch die User Experience, SEO und GEO zu wenig beachtet wurden und ein Relaunch auch aus diesen Perspektiven sinnvoll wäre.

Welche Rolle spielen Design und Content bei der digitalen Barrierefreiheit?

Oliver: Eine sehr grosse. Im Design wird der Grundrahmen beziehungsweise das Format definiert. Wenn das Design beispielsweise vorsieht, dass Text auf Bildern platziert wird, kann man fast schon garantieren, dass es Probleme mit dem Kontrast und Lesbarkeit gibt. Wenn dies jedoch bereits im Design berücksichtigt wird, kann in diesem Beispiel die Situation durch Verläufe oder Schatten beim Text entschärft werden.

Gleiches gilt für die Inhalte. Wenn ein Video geplant ist, muss man sich Gedanken über Untertitel oder ein Transkript machen. Aber auch bei textbasiertem Content ist die Barrierefreiheit im Sinne einer zielgruppengerechten Sprache ein Thema. Schreiben wir für Laien, Fachexperten oder beispielsweise für Personen mit Sprachbarrieren? Solche Fragen müssen geklärt und berücksichtigt werden. Das kann so weit gehen, dass Informationen zusätzlich in einfachen Worten oder sogar in «leichter Sprache» aufbereitet werden.

Barrierefreiheit entsteht nur durch das Zusammenspiel der gesamten Kette.

Welche gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit müssen Unternehmen in der Schweiz beachten?

Oliver: Vorab: Wir sind keine Anwälte und empfehlen, die gesetzlichen Vorgaben im Zweifel selbst zu prüfen. 

Unabhängig davon empfehlen wir, alle öffentlich zugänglichen Websites so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Werden die entsprechenden Aspekte bereits in der Konzeption und initialen Umsetzung berücksichtigt, sind die minimalen Mehrkosten gegenüber den langfristigen Mehrwerten zu vernachlässigen.

In der Schweiz sind folgende Gesetze relevant: 

  • European Accessibility Act (EAA): Wenn Produkte oder Dienstleistungen auch an Konsument:innen in der EU angeboten werden, muss man entsprechend des EAA handeln. Besonders relevant für E-Commerce-Angebote
  • eCH-0059 gilt für Behörden und fordert die Erfüllung der WCAG 2.1 auf Stufe AA
  • Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen: Menschen mit Behinderungen dürfen nicht benachteiligt werden, was auch für Websites gelten sollte

Wenn ein Unternehmen ausschliesslich in der Schweiz tätig ist, ist das rechtliche Risiko aktuell vermutlich eher gering. Es gibt keine umfassende Pflicht. Sobald jedoch Kunden aus der EU ein Thema sind, empfehlen wir aus rechtlichen Gründen unbedingt, die Barrierefreiheit ernst zu nehmen.

Wir empfehlen aber auch für Schweizer Websites, keine Kompromisse zu machen! Denn es ist davon auszugehen, dass die Schweiz früher oder später ein Gesetz mit ähnlichen Forderungen wie die EAA verabschieden wird. Zudem stärkt Barrierefreiheit oft die Performance der Website in Bezug auf SEO/GEO und führt zu einer besseren User Experience.

Was würdest du Unternehmen empfehlen, die ihre Website barrierefreier machen möchten? Sprich: womit sollte ein Unternehmen so rasch wie möglich anfangen?

Oliver: Ich empfehle zunächst einen Quick-Check zur Bestimmung des aktuellen Standes der Barrierefreiheit. Eine kurze Bewertung durch automatische Tools gibt einen ersten Hinweis darauf, wie viele Probleme existieren. Um einzuschätzen, wie schwerwiegend diese sind und ob sie im bestehenden System behoben werden können, ist es oft hilfreich, eine kurze Beratung in Anspruch zu nehmen. 

Danach hängt es von der Webagentur ab. Meist lassen sich viele Punkte mit grossem Einfluss einfach beheben. Falls der Aufwand sehr gross ist oder beispielsweise das Design stark angepasst werden muss, empfiehlt es sich, verschiedenen Varianten zu prüfen. Ob ein Relaunch oder eine iterative Vorgehensweise zielführender ist, hängt nicht nur von der Barrierefreiheit ab.

Schauen wir doch zunächst, wie es um die Barrierefreiheit deiner Website aktuell steht! Wir bieten einen Quick-Check, eine umfangreiche Analyse oder eine erste unverbindliche Beratung bzw. Einschätzung an. Kontaktiere uns via E-Mail oder Telefon: +41 44 240 15 00. Wir freuen uns auf den Austausch! 

Kategorie:  Allgemein, Content Marketing, Web, Website
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