Unterschied zwischen Viral Marketing und Guerilla Marketing
Im Unterricht vom vergangenen Freitag hat ein Studi gefragt, was denn der Unterschied zwischen Viral Marketing und Guerilla Marketing sei. So genau konnte ich das ad hoc für meine Ansprüche zu wenig genau nicht sagen. Ich hab nur gemeint, es gebe da Überschneidungen bei den beiden Begriffen. Hier nochmals ein Versuch, die beiden Begriffe zu klären.
Unter Viral Marketing versteht man …
…ein Kommunikations- und Vertriebskonzept, bei dem Konsumenten Botschaften, bzw. digitale oder digitalisierte Produkte (z.B. Text, Bilder, Videos etc.) mittels elektronischer Kommunikationsmitteln (E-Mail, Soziale Netzwerke, Mobile, u.a.m.) an weitere potenzielle Kunden aus ihrem sozialen Umfeld senden und ihrerseits zur (potentiell exponentiellen) Weitervermittlung der Botschaften/Produkte animieren. Oder anders formuliert: Viral Marketing ist das gezielte Auslösen (z.B. durch Seeding) von Mundpropaganda durch die Nutzung sozialer Netzwerke. Viral Marketing ist also ein Konzept im Marketing, und zumeist mit Kosten verbunden. (hier noch das schöne Beispiel von LG)
Beim Guerilla Marketing…
… versucht der Marketer mit möglichst wenig Mitteln eine maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Es geht also darum, mit unkonventionellen Methoden und mit möglichst geringem Mitteleinsatz eine maximale Wirkung zu erzielen. Vor allem geht es darum, etablierte Normen zu brechen. Will heissen, im Kontext der Zielgruppe für Abwechslung und Überraschung zu sorgen, im besten Fall auch für Gesprächsstoff. Guerilla Marketing ist also weniger eine Marketing-Methode, als vielmehr eine Einstellung.
Vergleicht…
… man die beiden Begriffe, so sind die Unterschiede leicht zu identifizieren. Guerilla Marketing ist kein wirkliches Konzept, sondern eher eine Denkhaltung. Und Guerilla Marketing versucht die Aufwände möglichst gering zu halten, während beim Viral Marketing oftmals mit grösseren Budgets hantiert wird. Gemeinsam ist den beiden Ansätzen der Versuch, gezielt “Gespräche” auszulösen.
Stimmt so? Andere Meinungen?

Ich bin da etwas anderer Meinung.
Virales Marketing zielt darauf ab, wie es der Name besagt, dass Marketing so funktioniert wie Viren. Viren sind ansteckend und verbreiten sich durch Kontakt zu anderen Personen unkontrolliert und manchmal exponentiell weiter. Mit anderen Worten: die Zielgruppe der Marketinginformation verbreitet diese Information unkontrolliert und x-fach weiter. Die Informationsmenge wächst von selbst an und breitet sich wie von selbst aus.
Die Definition orientiert sich also an der Wirkung der Marketingmassnahmen.
Dies mit Guerilla-Marketing zu vergleichen ist wie Äpfel mit Tragtaschen zu vergleichen. Denn die Definition des Guerilla-Marketing orientiert sich nicht an der Kategorie «Wirkung», sondern an der Kategorie «Umsetzung».
Beim Guerilla-Marketing geht es darum, wie beim Guerilla-Krieg, dass kleine, mobile Einheiten mit leichter Ausrüstung (=kostengünstig) und mit Hilfe von Überraschung eine möglichst grosse Wirkung erzielen. Ob diese lokal beschränkt bleibt, für eine einmalige grosse Aufmerksamkeit sorgt oder sich sogar viral ausbreitet, ist nicht Teil der Definition – weder ausgeschlossen noch notwendige Bedingung.
Wir haben also eine Definition, die sich von der Zielsetzung ableitet und eine andere, die sich von der Art der Umsetzung ableitet.
Die gleiche Massnahme kann deshalb sowohl als Guerilla-Marketing-Aktion gesehen werden als auch als virales Marketing, wenn die «freigesetzte» Information sich unkontrolliert ausbreitet. Andere Massnahmen sind nur Guerilla-Massnahmen ohne virale Ausbreitung und wiederum andere sind nur virales Marketing ohne Guerilla-typisch zu sein.
Der Apfel kann zusammen in der Tragtasche sein, er muss es aber nicht. Auf gar keinen Fall aber ist der Apfel eine andere Art von Tragtasche – oder umgekehrt.
Hoi Peter, auch ein Ansatz 😉
hatte noch eine spannende Diskussion mit Volkmar auf Xing, die ich euch hier nicht vorenthalten möchte:
Volkmar: Hoi Simon deine Erklärungen finde ich sehr gut, jedoch bin ich anderer Meinung was die Denkhaltung anbetrifft: Für mich sind beide Vorgehensweisen durchaus konzeptionell zu sehen und die Mechanismen beider Ansätze sind relativ deckungsgleich. Bei beiden Ansätzen versucht man eine sensationelle Nachricht in die Welt zu setzen, die dann von möglichst vielen Menschen gesehen und (im persönlichen Netzwerk) weitererzählt wird.
Volkmar: Während die virale Kampagne in der Regel mit einer positiven Neuigkeit arbeitet, konzentriert sich das Guerilla Marketing auf die Provokation. Man denke nur an die Verhüllung des Wasserturms in Luzern. Niemand würde behaupten, dass Emmi kein Marketingbudget hat, oder vielleicht ein Problem mit Konventionen… Es geht um den Schock, die überschrittene Linie oder das Ärgernis, das letztlich zum Weitererzählen animiert.
Simon Künzler: Hey Volkmar, gute Inputs! Vielen Dank. Na ja, es gibt ja auch virale Schock-Videos. Aber stimmt, für Guerilla-Marketing braucht es z.T. auch grössere Budgets. So langsam finde ich die Unterschiede nicht mehr ;-). Vielleicht ist virales Marketing einfach eher online, Guerilla-Marketing dagegen eher offline?
Volkmar: Ja – das ist vielleicht ein guter Ansatz: Guerilla Marketing wird fast immer mit einer “Offline”-Aktion in der “realen” Welt initiiert, (z.B. Werbekleber auf Strassenschildern) und wird erst anschliessend im Web diskutiert. Eine klassische virale Kampagne hingegen kann rein online initiiert und betrieben werden.
Simon Künzler: passt 😉
Beiepiele hier: https://www.facebook.com/guerillamarketing
Im Rahmen der Reifeprüfung muss ich eine Vorwissenschaftliche Arbeit verfassen. Ich befasse mich mit dem Unterschied von Guerilla Marketing und Viral Marketing.
Oben genannte Unterscheidung finde ich hilfreich, jedoch stellt sich im Laufe meiner Arbeit die Frage, ob sich Guerilla Marketing oder doch Viral Marketing in Zukunft “durchsetzt” oder besser gesagt bewährt.
Bin für jede Meinung offen 😉
Hallo Manuel, viel Erfolg bei der Arbeit. Da sich die zwei Disziplinen eh nicht genau unterscheiden lassen, ist die Frage schwierig zu beantworten. Die Frage ist eher, ob sich das grundlegende Format halten, weiter entwickeln und an Bedeutung gewinnen wird. Für mich zumindest.
Danke!
Auch ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass man die Frage nicht beantworten kann (zumindest nicht pauschal). Meiner Meinung nach werden aber Unternehmen, die wissen wie man beide Varianten erfolgreich kombiniert, auf lange Zeit die besten Erfolge einfahren.
Begründen kann ich das in meiner Arbeit mit meinen Mitteln zwar nicht, aber es klingt für mich am logischsten.
“Volkmar: Ja – das ist vielleicht ein guter Ansatz: Guerilla Marketing wird fast immer mit einer “Offline”-Aktion in der “realen” Welt initiiert, (z.B. Werbekleber auf Strassenschildern) und wird erst anschliessend im Web diskutiert. Eine klassische virale Kampagne hingegen kann rein online initiiert und betrieben werden.”
Genau zu dieser Meinung bin ich auch gekommen. Ich verwende in meiner Arbeit allerdings immer wieder das Beispiel eines Flashmobs, der sich anschließend viral verbreitet.